Full text: Die Lehren des Marxismus im Lichte der russischen Revolution

zu verlassen. „Präventivhumanität‘, Charakterisierte Trotzki 
dieses Verhalten der Sowjetregierung. uns gegenüber. „Ge- 
lehrte Ideologen,‘“ so ließ er sich in der‘ „Prawda‘“ ver- 
nehmen, „sind heute für die Sowjetmacht ungefährlich. Aber 
es könnten äußere oder innere Überraschungen kommen, 
und dann müßte man diese Ideologen erschießen lassen, 
also mögen sie lieber ins Ausland gehen.‘ So kamen wir 
Jdenn außer des Landes. 
Indem ich nun meine damaligen Aufsätze über den Sozia- 
lismus heute in deutscher Sprache veröffentliche, glaube 
ich doch, sie nicht auf Grund der neuen Literatur über den 
Sozialismus, die ich inzwischen im Auslande kennengelernt 
habe, ändern oder ergänzen zu dürfen. Dies würde nämlich 
das eigenartige ursprüngliche Gepräge dieser einzigen öffent- 
lichen Kritik des Sozialismus, die durch einen Zufall unter 
ler Ägide der Sowjetmacht im Druck erscheinen konnte, 
ändern?). Meine Kritik konnte natürlich nur deshalb das 
Licht der Welt erblicken, weil sie einen wissenschaftlich- 
theoretischen Charakter besaß, weil sie für „sapientes“ ge- 
schrieben war. Aber der aufmerksame Leser wird sicher- 
lich hinter den theoretischen Formeln meine moralische 
Wertung dieses sozialen Experiments am lebendigen Körper 
nes großen Volkes fühlen. 
Der Übergang zur neuen Wirtschaftspolitik in Rußland 
darf keineswegs das Interesse an der Erforschung des 
Wesens des folgerichtigen Sozialismus schwächen. Erstens 
ist auch die Neue Wirtschaftspolitik durch den sozialisti- 
schen Gedanken der Planwirtschaft durchdrungen, und zwei- 
‘ens wird sie von den meisten Kommunisten nur als eine 
vorübergehende Erscheinung betrachtet. Sie ist ein neuer 
Weg zu demselben Ziel — zum Aufbau des folgerichtigen 
naturalwirtschaftlichen Sozialismus. Wäre es der Ill. Inter- 
nationale gelungen, den Sieg der sozialen Revolution auch 
ım Westen zu erringen, so könnte man sogleich zum echten 
Kommunismus mit Erfolg zurückkehren. Durch die Neue 
Wirtschaftspolitik ist die Frage des orthodoxen Sozialismus 
ron der Tagesordnung keineswegs entfernt worden. 
Ich darf zum Schlusse die Hoffnung aussprechen. daß 
?) Ich habe mir lediglich erlaubt, einige von der Zensur unterdrückte 
Stellen wieder einzuschalten, sowie einen Schlußabsatz anzufügen, der 
ich zwar aus dem ganzen Inhalt des Aufsatzes ergab, in Rußland aber 
nicht zum Ausdruck gebracht werden konnte.
	        
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