Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

als Auswirkung der Wohnungszwangswirtschaft und der Kapital- 
schwierigkeiten, weiter fortgeschritten. Besonders in den ersten In- 
flationsjahren ist eine große Zahl von kapitalschwachen und im Her- 
stellungsverfahren rückständigen Ziegeleien auf Abbruch verkauft 
worden. Über das Ausmaß dieser Betriebskonzentration liegen für die 
Kriegs- und Nachkriegszeit noch keine genauen Angaben vor. Von rund 
11000 Ziegeleien im Jahre 1905 waren im Jahre 1913 noch 8 000 vor- 
handen, davon 6000 Maschinenziegeleien. Seitdem hat sich die Zahl der 
Ziegeleien weiter, und zwar bis zum Jahre 1924 im Reichsdurchschnitt 
auf etwa 62 °% verringert‘). 
Der Rückgang der Zahl der Ziegeleien war begleitet von einer 
Weiterbildung der fabrikmäßigen und mechanisierten Produktion und 
von einer gesteigerten Loslösung des Ziegeleigewerbes von der Land- 
wirtschaft. Die Mechanisierung der Ziegelfabrikation ließ sich infolge 
der Kapitalnot der Ziegeleien und des Sinkens der Nachfrage allerdings 
nicht in dem Maße durchführen, wie es technisch möglich gewesen wäre. 
Sie ist aber stark genug gewesen, um eine wesentliche Senkung des Pro- 
duktionsvermögens der Ziegelindustrie unter den Vorkriegsstand zu ver- 
hindern. Die Struktur des deutschen Ziegeleigewerbes wird heute be- 
stimmt durch die maschinenintensiven Mittel- und Großbetriebe. Der 
Umfang der Mechanisierung ist jedoch in den einzelnen Produktions- 
zebieten und Fabriken außerordentlich verschieden. Abgesehen von den 
Lagerungseigenheiten der Tonvorkommen wird die Mechanisierung vor 
allem bedingt durch die Qualität der zu verarbeitenden Tone und durch 
die Witterungsverhältnisse. Je nach der Beschaffenheit der Tone wird 
von den Fabriken neben dem Maschinenstrich- noch heute das Hand- 
strichverfahren und neben der künstlichen Trocknung auch die natür- 
liche Trocknung angewandt. 
Trotz der verstärkten Mechanisierung des Produktionsprozesses hat 
die Ziegelindustrie, und zwar aus Gründen, die in der Produktions- 
technik, in der Produktionsfinanzierung und besonders in der Nachfrage- 
gestaltung liegen, ihren Saisoncharakter noch nicht verloren. Im Gegen- 
teil, die Zurückdrängung der privaten durch die behördliche Nachfrage 
verstärkte in der Nachkriegszeit die stoßweise Produktion und damit die 
Schwierigkeiten der Ziegeleibetriebe bei der Finanzierung der Fabri- 
kation und bei der Beschaffung von Arbeitern außerordentlich 2). 
Die Voraussetzungen für eine Kartellbildung im Ziegeleigewerbe 
waren erst mit dessen Industrialisierung gegeben. Die Loslösung des 
Gewerbes von der Landwirtschaft hat einmal die Produktionsbedingun- 
gen der Ziegeleibetriebe in gewissem Umfang vereinheitlicht und sodann 
mit dem Aufkommen eines gewerblichen Unternehmertums die persön- 
lichen und sachlichen Hemmungen gegen eine Verbandsbildung ab- 
geschwächt. Die kostenmäßigen Verschiedenheiten der Herstellungs- 
') Das „Baugewerbe“, Zeitschrift zur Wahrung und Förderung der gemein- 
samen Berufsinteressen der deutschen Baugewerbetreibenden. Ausgabe A Nr. 27 
vom 7. Juli 1927 5. 284 ff. Die Ziffern decken sich im wesentlichen mit den Angaben 
ler Sachverständigen in der Arbeitsgruppe III, 5 (Baustoffwirtschaft). 
%) Vgl. den Bericht der Arbeitsgruppe III, 5 (Baustoffwirtschaft) über die 
Struktur der Ziegelindustrie. 
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