Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

liche Gründe entscheidend, sondern lediglich die Tatsache, daß die Mehr- 
zahl der Mitglieder bei der Gründung aus Landwirten bestand, denen die 
Genossenschaftsform geläufig war, und zudem andere Verkaufsvereini- 
zungen sich ebenfalls für sie entschieden hatten. Die Beibehaltung der 
Rechtsform wird damit begründet, daß gewissen Nachteilen (höchstens 
zweijährige Kündigungsfrist für die Genossen — $65 des Genossen- 
schaftsgesetzes — und erweiterte Revisionspflicht — $$ 53 ff. des Ge- 
nossenschaftsgesetzes) auch der Vorteil der erleichterten Kreditaufnahme 
auf Grund der Solidarhaft der Genossen sowie derjenige einer vermin- 
derten Steuerbelastung gegenüberstehe. 
Aufgabe der Ziegeleigenossenschaft ist die Förderung des Gewerbes 
ihrer Mitglieder durch den Verkauf ihrer Ziegelfabrikate von einer Zen- 
tralstelle aus, welche ihrerseits in anderen Städten des Bezirks Zweig- 
niederlassungen einrichten kann, ferner die Gewährung von Vorschüssen 
auf die Fabrikate und der gemeinsame Bezug von Betriebsmaterialien, 
wie Steinkohlen, Öl usw. ($ 2 der Satzung)*). 
Die Mitglieder sind je nach ihrer Produktionsfähigkeit zum Erwerb 
einer bestimmten Anzahl von Geschäftsanteilen verpflichtet; und zwar 
hat jedes Mitglied für je 1 Million Mauersteine seiner Produktionsfähig- 
keit einen Geschäftsanteil zu übernehmen. Die Höchstzahl der Geschäfts- 
anteile des einzelnen Mitgliedes ist aber auf 20 festgesetzt. Mitglieder, 
die selbst kein Werk besitzen, müssen ebenfalls einen Geschäftsanteil 
arwerben ($11 der Satzung). Die Höhe des einzelnen Geschäftsanteils 
beträgt 1200 RM. (8 12 der Satzung). Die Mitglieder haften für die 
Verbindlichkeiten der Genossenschaft bis zum zehnfachen Betrag ihrer 
Anteile ($ 13 der Satzung). Dem etwaigen Käufer oder Pächter einer 
Verbandsfirma ist der Eintritt in die Pflichten des früheren Genossen 
vertraglich aufzuerlegen ($ 11 der Satzung). 
Das Betriebskapital der Genossenschaft besteht aus dem Genossen- 
schaftsvermögen und den fremden Geldern, die je nach dem Umfang der 
Geschäfte aufgenommen werden. Der Reservefonds ist auf die Höhe von 
100 000 RM. begrenzt. Darüber hinausgehende Beträge können mit Ge- 
nehmigung der Generalversammlung der Betriebsrücklage überwiesen 
werden ($ 14 der Satzung). 
Die Genossenschaft wird verwaltet durch den Vorstand, den Auf- 
sichtsrat und die Generalversammlung. Im Interesse einer beweglichen 
Geschäftspolitik sind dem Vorstand und dem Aufsichtsrat weitgehende 
Befugnisse eingeräumt. Der Vorstand besteht aus einem Vorsitzenden 
und zwei big vier Mitgliedern, der Aufsichtsrat aus drei bis sieben Mit- 
gliedern. Bei Beschlüssen des Aufsichtsrats entscheidet die Stimmen- 
mehrheit der Erschienenen. Zwei Mitglieder des Vorstandes und drei 
Mitglieder des Aufsichtsrats müssen ihren Wohnsitz in Königsberg haben 
(88 18, 22 und 25 der Satzung). 
Aufsichterat und Vorstand halten gemeinschaftliche Sitzungen ab, 
in denen beide Stimmrecht haben. Gültige Beschlüsse sind abhängig 
von der Anwesenheit der Mehrzahl der Mitglieder beider Organe. Sie 
müssen die Zustimmung der Mehrheit sowohl der anwesenden Vorstands- 
1} Abdruck der Satzung Seite 196 ff. 
(09
	        
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