Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

Die großen Schwankungen in der Nachfrage haben der Ziegelei- 
genossenschaft während der letzten Jahre eine Preisbeeinflussung erheb- 
lich erschwert. Die Preise für Mauersteine wurden in der Vorkrieggszeit 
in Gemeinschaft mit der Bauinnung Königsberg und dem Arbeitgeber- 
verband für das Baugewerbe festgesetzt, nach dem Kriege in Gemein- 
schaft mit dem Bezirkswohnungskommissar. In den letzten Jahren vor 
dem Kriege konnten die Preise für Ziegelsteine auf durchschnittlich 
26—28 M. pro Tausend ab Werk gehalten werden, kurz nach der Stabi- 
lisierung wurden sie auf 56 M. für tausend Steine ab Werk festgesetzt. 
Dieser Satz ging aber unter dem Drucke der sich mindernden Nach- 
frage und der Außenseiterkonkurrenz bald auf 36—38 M. für tausend 
Ziegelsteine zurück und blieb bie Ende 1925 auf der gleichen Höhe 
stehen. Im Jahre 1926 stellten sich die Preise infolge von Zwangsg- 
verkäufen auf 28—32 M. ab Werk. Sie waren damit unter die Ge- 
stehungskosten gesunken!). Mit der günstigen Baukonjunktur im 
Jahre 1927 stieg der Ziegelpreis auf 42 M. pro tausend Steine ab Haff 
und 46 M. ab. Königsberg. 
Durchgreifender als in der Preisbeeinflussung waren die Erfolge 
der Genossenschaft in der Produktionsfinanzierung. Die Genossenschaft 
hat während der Inflationsjahre durch Ausgestaltung und Erweiterung 
ihres Immobilbesitzes den Einlagenbestand ihrer Mitglieder nicht nur 
erhalten, sondern ihn — und zwar nach Rückstellung von 100 000 M. — 
verdoppelt. Diese Vergrößerung des Haftungswertes ermöglichte der 
Genossenschaft in der kapitalarmen ‚Zeit die Aufnahme von größeren 
Krediten, die in Beträgen bis zu 10000 M. ohne Deckung und zu billi- 
geren Zinssätzen, als sie der Kapitalmarkt verlangte, an die Mitglieder 
weitergeleitet wurden. Ohne die Hilfe der Genossenschaft hätten beson- 
ders die kleinen Mitgliedsfirmen voraussichtlich überhaupt keinen Kredit 
erhalten. Soweit die Mitglieder aus den staatlichen Kreditfonds für die 
ostpreußische Industrie Kredite erhielten, hat die Ziegeleigenossenschaft 
auch die Bürgschaft für diese Kredite übernommen. 
Ziegelverkaufsstelle G. m. b. H. Chemnitz, 
Die Ziegelverkaufsstelle G. m. b. H. Chemnitz ist ein typisches Bei- 
spiel für die einzelnen Organisationsstufen der Ziegelverkaufsvereini- 
gungen und deren markt- und preispolitische Wirksamkeit. . 
Hervorgegangen ist sie aus einer 1892 gegründeten Ziegelkonven- 
tion. Veranlaßt durch die Überproduktion haben sich damals 20 Ziegel- 
firmen mit einer Jahresproduktion von 66,65 Millionen Ziegeln im Stadt- 
gebiet Chemnitz zu einem Kartell zusammengeschlossen. Die Geschäfts- 
führung des Kartells übernahm die Dresdener Baugesellschaft, eine 
Tochterfirma der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt. Sie versorgte 
die Werke mit den notwendigen Betriebskrediten, setzte die Preise fest 
und betrieb den Verkauf der Ziegelsteine. Den Erlös aus den Verkäufen 
leitete sie unter Einbehaltung einer Provision von 2°%, an die Kartell- 
%) Vgl. Begründung des Schiedsspruchs in der Schiedsgerichtssache der ost- 
preußischen Heimstätten G. m. b. H., Königsberg, Ziegeleigenossenschaft G. m. b. H.,, 
Königsberg vom 17. 6. 1927. 
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