Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

Nach den Bestimmungen über den Ziegelverkauf an die Mitglieder 
des Ortswirtschaftsverbandes hat die Verkaufsstelle diesen bei aus- 
schließlichem Geschäftsverkehr und bei Mindestabnahme von 20 000 
Ziegel pro Jahr- am Ende des Jahres eine Rückvergütung von 2 °/, der 
Rechnungsbeträge zu zahlen. Für Lieferungen zu Kampfpreisen, die 
3°% und mehr unter den jeweiligen Listenpreisen liegen, fällt diese 
Vergütung fort.. Die Mitglieder des Abnehmerverbandes haben der 
Verkaufsstelle sämtliche Offerten von Außenseiterziegeleien für Stein- 
lieferungen innerhalb des Ringgebietes zu unterbreiten. Nur dann, wenn 
die Verkaufsstelle nicht in das Angebot eintritt, dürfen sie die benötigten 
Steine von Außenseiterfirmen beziehen. Bei Verletzung dieser Verein- 
barungen haben die Abnehmer 20 M. für je 1000 von Außenseitern 
vezogene Ziegel an ihre eigene Verbandskasse abzuführen. 
Dieser Exklusivvertrag hat jedoch eine Anzahl wesentlicher Durch- 
brechungen erfahren. Bei Angeboten von einigen bestimmten Ziegel- 
werken — insbesondere Gemeindeziegeleien — muß den Mitgliedern 
des Abnehmerverbandes die Genehmigung zum Bezug der angebotenen 
Steine erteilt werden, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, zu 
wesentlich ungünstigeren als den angebotenen Bedingungen Ziegel zu 
beziehen. Außerdem ist ihnen die Geschäftsverbindung mit einer 
Chemnitzer Außenseiterfirma unter vorheriger Angabe der Bezugsmenge 
so lange gestattet, bis die betreffende Firma den gleichen Prozentsatz 
ihrer Produktionsmöglichkeit.in das Ringgebiet abgesetzt hat, den die 
Ringfirmen ihrer Verkaufsstelle für das Jahr‘ bereitstellen müssen. 
Dieser Zeitpunkt wird von der Ziegelverkaufsstelle und dem Ab- 
nehmerverband gemeinsam ermittelt und den Mitgliedern des letzteren 
bekanntgegeben. Schließlich sind diejenigen Mitglieder des Abnehmer- 
verbandes, die über eigene Ziegeleien verfügen, berechtigt, außerhalb 
der Bestimmungen des Gegenseitigkeitsvertrages Ziegel für eigene 
Bauten aus den eigenen Ziegeleien zu entnehmen. 
Die Schutzbestimmungen des‘ Vertrages gegenüber den Arbeit- 
nehmern verpflichten die Verkaufsstelle bzw. deren Mitglieder, bei einem 
größeren Streik unter den Bauarbeitern des Bezirkes, Ziegelsteine nur 
unter Zustimmung des Abnehmerverbandes zu liefern. Gesellschafter, 
die trotzdem liefern, haben an die Ziegelverkaufsstelle eine Strafe bis 
zu 20 M. pro 1000 Stück Ziegel zu zahlen. Streikende oder ausgesperrte 
Arbeiter dürfen während der Dauer der Arbeitsunterbrechung von den 
Gesellschaftern der Ziegelverkaufsstelle nicht beschäftigt werden. 
Wenn die Ziegelarbeiter bei allen oder der größeren Anzahl der 
angeschlossenen Ziegeleien streiken oder ausgesperrt werden, ruht die 
Lieferungsverpflichtung der Ziegelverkaufsstelle. Das gleiche gilt bei 
Streik oder Aussperrung der Fuhrleute, sofern die Mitglieder des Ab- 
nehmerverbandes nicht selbst die Ziegel abfahren. Die Abnehmer dürfen 
während dieser Zeit nicht von Konkurrenzziegeleien beziehen und die 
von den Mitgliedern der Ziegelverkaufsstelle ausgesperrten Arbeiter 
nicht einstellen. 
Auf Einhaltung der Bestimmungen bezüglich des gebundenen Ziegel- 
kaufs wird nach Angabe der Ziegelverkaufsvereinigung in der Praxis 
wenig Wert gelegt. Verstöße von seiten der Abnehmer gegen diese 
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