Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

Weise, und zwar in vier Ausführungsarten, ‚eingereicht: wurden, eine 
in Eisenbeton, eine in Flußeisen, eine in hochwertigem Stahl und- eine 
teils in Eisen und teils in Eisenbeton, also so ziemlich alles, was man 
wohl wünschen kann; und zwar wurde verlangt, daß zum Verdingungs- 
termin das Angebot nebst den Entwürfen eingereicht werden sollte; die 
Entwürfe sollten bestehen aus einem Erläuterungsbericht, einer voll- 
ständigen Kostenberechnung, Berechnungen hinsichtlich der Standsicher- 
heit, den notwendigen Maß- und Gewichtsberechnungen, einer Berech- 
nung des Bedarfs an den nötigen Baustoffen und einem vorläufigen ‚Bauplan 
mit der Maßgabe, daß die sämtlichen Bauarbeiten spätestens bis zum 
1.12.1926 beendet sein sollten. Diese Unterlagen wurden von jeder Firma 
kostenlos verlangt, ohne daß die Behörde dafür irgendwelche Verpflich- 
tungen übernahm. An der Ausschreibung haben sich sowohl Eisenbau- 
firmen wie Betonbauunternehmungen beteiligt. Nach den Feststellungen 
unseres Verbandes haben die sämtlichen beteiligten 7 Eisenbaufirmen 
die Unterlagen eingefordert (Zuruf: eingereicht!), zunächst eingefordert 
von der Behörde, also sich zunächst näher mit der Sache befaßt; letzten 
Endes haben nur 5 Firmen Angebote eingereicht, aber immerhin haben 
diese 5 Firmen dadurch 7 500 Mark Unkosten gehabt; die übrigen Eisen- 
baufirmen, die kein Angebot eingereicht haben, weil ihnen die Lust ver- 
gangen war, haben zusammen auch noch 8 500 Mark Unkosten gehabt, 
las sind also für den Eisenbau allein 16 000 Mark Unkosten; hätten alle 
Firmen, die dia Angebotsunterlagen eingefordert hatten, ihre Angebote 
eingereicht, so wären daraus nach unseren Berechnungen diesen 
17 Firmen Unkosten in Höhe von 40 000 Mark entstanden. Nun zum 
Betonbau! Da waren 33 Firmen beteiligt; von diesen 33 haben 23 An- 
gebote eingereicht, und zwar sind hier Unkosten entstanden in Höhe 
von 34 000 Mark; hätten sich alle Firmen des Betonbaues beteiligt, so 
wären Unkosten entstanden in Höhe von 49000 Mark. Es kann fest- 
gestellt werden, daß den anbietenden Industriefirmen durch die Aus 
arbeitung ihrer Angebote zusammen etwa 50000 Mark Kosten ent- 
standen sind, und sie wären auf 90000 Mark gestiegen, wenn alle ein 
Angebot eingereicht ‘hätten. Wenn der Bau, wie veranschlagt, 
280 000 Mark kosten wird, und demgegenüber stehen Projektierungs- 
kosten von 50000 bzw. 90 000 Mark, so ergibt das also einen Prozent- 
satz von 20 bis 30 %. Wir. haben Fälle gehabt, in denen man sagen 
kann, daß die Projektierungskosten 100 % erreicht haben, bei denen in 
einer wirklich. ganz uferlosen Art und Weise Projektierungsarbeiten ver- 
langt worden sind. Ich habe hier noch eine Reihe ähnlicher Beispiele. 
Ich möchte ferner darauf hinweisen, daß wir auch durch eine ge- 
setzgeberische Maßnahme, die sich mit der Abschaffung des Brücken- 
geldes befaßt, nach meinem Empfinden in Mitleidenschaft gezogen 
werden insofern, als dadurch einer ganzen Reihe von Städten, die 
Brückenbauten projektiert haben, die finanzielle Grundlage, zur Herstel- 
lung dieser Bauten entzogen wird. Ich habe. heute früh erst einen Brief 
bekommen, in dem mir mitgeteilt wird, daß das Projekt einer Mosel- 
brücke, für die schon 20 Projekte mit einem Gesamtkostenaufwand von 
vielleicht 60 bis 80 000 Mark aufgestellt worden sind, nun wahrschein- 
lich in den Schrank gelegt und einstweilen vollkommen. vergessen wird. 
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