Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

Hamm: Die Lieferungsbedingungen, die Sie uns übergeben haben, Lieferungs- 
stammen. vom Februar 1923. Gelten sie noch, oder sind sie in einigen dingungen 
Punkten inzwischen geändert worden? 
Sachverständiger O0.: Sie gelten wohl noch, aber die Verhältnisse 
eind stärker als wir; die Bedingungen werden uns von unseren Ab- 
nehmern diktiert, und wir können da nicht viel machen. Wir haben 
die unseren den Mitgliedern in empfehlender Weise zur Verfügung ge- 
stellt, und die benutzen sie, wo sie wollen und wo sie können, aber tat- 
sächlich schreiben uns die Abnehmer vor, wie geliefert und. wie gezahlt 
wird, und die Not zwingt uns dazu, uns darauf einzulassen. 
Vorsitzender: Ein Zwang von seiten des Verbandes zur Einhaltung 
der Lieferungsbedingungen besteht nicht? 
Sachverständiger B.: Nein, ein Zwang kann gar nicht ausgeübt 
werden, wäre praktisch nicht durchzuführen. Ich bin überzeugt, daß 
nicht 5% aller Aufträge zu den Bedingungen des Verbandes herein- 
geholt werden können, und wer das seit 1924 in den Bedingungen vor- 
geschriebene ein Drittel Anzahlung bekommen hat, der soll sich melden; 
abgesehen natürlich von den Behördenlieferungen. Bei privaten ist das 
gänzlich ausgeschlossen, kein Mensch bezahlt, wenn das Bauwerk nicht 
ganz oder wenigstens zum Teil geliefert ist. 
Vorsitzender: Bei den Behörden finden Sie also in der Beziehung 
mitunter ein größeres Entgegenkommen? 
Sachverständiger G.: Ja, das war wenigstens einmal; neuerdings 
sind straffere Vorschriften erlassen worden, und die Behörden lehnen 
jetzt auch. Anzahlungen oder Vorauszahlungen ab. Sie sagen, daß sie 
auch ihrerseits zu bestimmten Vorsichtsmaßnahmen greifen müssen. 
Hamm: Wie wird es mit der Frage der festen Preise gehalten? 
Ihre Bedingungen sehen in gewissem Umfange bewegliche Preise vor. 
Sachverständiger B.: Dazu kann ich nur sagen: Wir haben seit 
1924 keinen Auftrag mehr zu beweglichen Preisen bekommen. Wir 
müssen zu den gegenwärtigen Preisen abschließen und müssen normaler- 
weise ein Vierteljahr in Kauf nehmen, Ich glaube, wenn wir den Ver- 
such machen wollten, bei einem Bauwerk, zu dessen Herstellung 7 Mo- 
nate gebraucht werden, für dem siebenten Monat eine Entschädigung zu 
vereinbaren, würden wir den Auftrag überhaupt nicht bekommen. 
Sachverständiger O.: Seit der Stabilisierung besteht absolut der 
Grundsatz der festen Preise. Das Niederfinower Bauwerk war ein Aus- 
nahmefall, in dem auch die Behörden gesagt haben, daß hier ein Ventil 
veschaffen werden. müsse. 
Preis- 
stellung 
Vernehmung eines Außenseiters, 
Sachverständiger N. 
_. Vorsitzender: Wir haben’ gehört, daß Ihre bedeutende‘ Firma dem 
Eisenbau-Verbande nicht mehr angehört. Deshalb ersuchen wir Sie um 
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