Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

daß sie untereinander einen stärkeren Ausgleich der Aufträge herbei- 
führen und schließlich auch nach Mitteln und Wegen suchen sollten, 
um die Projektierungskosten nach Möglichkeit zu ersparen; aber Sie 
sind der Meinung, daß das in gewissem Umfange auch ohne Bindungen 
möglich ist? 
Sachverständiger N.: Jawohl, das war früher auch ohne das bin- 
dende Richtpreisverfahren möglich, und letzteres hat ja auch nur kurze 
Zeit bestanden. Es ist immer schon ein großer Vorteil, wenn Fachleute 
sich zusammensetzen und sich freiwillig verständigen. Bei Hochbauten 
und bei Brückenbauten kann ja schließlich immer doch nur einer den 
Auftrag bekommen, aber es ist für jedes Fach von Wert, wenn die 
Beschäftigung zweckmäßig verteilt wird. Eine Zweckmäßigkeit, die 
auch volkswirtschaftlich für alle Beteiligten erwünscht erscheint, nicht, 
daß ein Betrieb vollgepackt ist mit Aufträgen, und der andere unbe- 
schäftiegt bleibt. 
Auftrags- 
verteilung 
Vorsitzender: Sind während Ihrer Zugehörigkeit zum Verbande Zahlüe 
Verständigungen der fraglichen Art häufig zustande gekommen? Können gungen 
Sie eine Prozentziffer nennen? 
Sachverständiger N.: Das kann ich so genau nicht sagen, natürlich, 
wir haben aber derartige Erfolge gehabt, sonst wären wir ja überhaupt 
nicht zusammen geblieben. 
Vorsitzender: Die Herren vom Verbande schätzen die Fälle, in 
denen eine Verständigung erfolgt ist, auf etwa 15 bis 20 °%, bei größeren 
Objekten etwas mehr. Halten Sie das für richtig? 
Sachverständiger N.: Jawohl, das mag wohl stimmen, aber Ge- 
naueres kann ich dazu persönlich nicht sagen, Wir haben ein Jahr vor 
unserem Austritt kündigen müssen, und wir haben uns im letzten Jahre, 
weil wir etwas verärgert waren, um den Verband nicht mehr viel ge- 
kümmert. Ich weiß deshalb gerade über die Statistik des letzten 
Jahres. während dessen die Bindungen bestanden, nichts Näheres. 
Vorsitzender: Und in der vorangegangenen Zeit? 
Sachverständiger N.: Da hat man sich eben nach Möglichkeit frei- 
willig verständigt, namentlich bei den großen Objekten, weil bei diesen 
lie Hauptvorarbeiten zu leisten eind. Auch bei anderen hat man mehr 
oder minder freundschaftlich miteinander auszukommen versucht. Aber 
bei der ganzen Sache ist zu beachten, daß der Eisenbau gezwungen 
ist, unter allen Umständen eine sehr maßvolle Preispolitik zu treiben, 
denn er hat einen gewaltigen Gegner im Betonbau, und so werden oft 
Bauprojekte durchgearbeitet und auch übernommen, die kaum noch 
lohnen. Dabei ist der Verband nicht in der Lage, irgendwie preis- 
bessernd aufzutreten oder mitzuwirken; er hat gar keine Macht, Preise 
vorzuschreiben, es ist in das Belieben der Firmen gestellt, zusammen- 
zukommen, sich über das Objekt zu unterhalten und, wenn möglich, zu 
verständigen. Wir haben letzthin noch einen Fall gehabt, an dem ich 
persönlich beteiligt war; da haben wir ein Projekt durchgerechnet und 
immer wieder durchgerechnet, und letzten Endes ist es doch an den 
Preispolitik 
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