Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

die dann tatsächlich die Ausführung nicht übernehmen oder zu Ende 
führen konnten und mit Nachforderungen kommen mußten, und es ist 
daher verständlich, wenn die großen Firmen den Versuch gemacht haben, 
zu einer klaren Preisstellung zu gelangen. Wenn diese Richtpreise 
heute nicht mehr bestehen, so wird sich das wahrscheinlich in der 
Praxis wenig auswirken. Die Firmen werden doch im Verbande die 
Köpfe zusammenstecken und sich darüber verständigen müssen, ob ein 
Preis wenigstens als Grundlage annehmbar ist. 
Vorsitzender: Haben Sie selbst Fälle beobachtet, in denen Firmen 
nit. den geforderten Preisen nicht durchkamen? 
Sachverständiger L.: Das erleben wir fast alle Tage bei den Firmen, 
lie sich mehr zumuten, als sie leisten können, die etwas übernehmen, 
was sie nicht durchführen können und dann sitzenbleiben. Dann muß 
jer Großabnehmer schließlich helfen; er kann sie ja auch nicht sitzen- 
lassen, um so weniger, wenn er bei der Nachkalkulation findet: Sie 
zönnen mit den Preisen nicht auskommen. 
Vorsitzender: Nach Ihren Beobachtungen steht es anscheinend mit 
Jer wirtschaftlichen Kalkulation im Eisenbau nicht besonders günstig. 
Sachverständiger L.: Bei den kleinen Unternehmungen zweifellos 
nicht; aber hier liegt wahrscheinlich die Ursache auch darin, daß solche 
Firmen große Aufträge nicht oft haben. Die Wirtschaft fängt ja eigent- 
lich auch erst an, wieder richtig zu laufen. Dann kommt solch ein 
kleiner Unternehmer an ein größeres Objekt heran; er möchte auch 
zern einmal einen größeren Auftrag haben, er überschätzt sein Können, 
und dann sitzt er fest. 
Hamm: Was halten Sie von den Bestrebungen des Verbandes nach 
Verringerung der Proiektkosten? 
Projekt- 
kosten 
Sachverständiger L.: Diese Bestrebungen finden seitens der kaufen- 
len Großindustrie heute bereits eine gewisse Unterstützung insofern, 
ale sie regelmäßig bei der Bestellung bereits ein Projekt vorlegt. Sie 
verlangt also vom Lieferanten nur selten ein solches. So ist z. B. auch 
bei dem Großkraftwerk Klingenberg ein vollständiges Projekt vorge- 
legt worden, und die Firmen hatten dann eigentlich nur noch die Preis- 
kalkulation anzustellen. Leider aber arbeiten die Firmen in der Frage 
der Projektierung oft nicht auf diejenige Einschränkung hin, die der 
Verband erstrebt. Statt sich keine unnötige Projektarbeit zu machen, 
Jrängen sie sich sogar dazu, da sie durch Alternativprojekte sich einen 
Vorsprung sichern wollen. Bei Rummelsburg haben sich 20 bis 30 
größte Firmen einschreiben lassen; jede wollte aufgefordert sein, und zu- 
rücktreten will schließlich keiner; jeder will sich die Arbeit der Projek- 
tierung machen, trotzdem man es ihm gar nicht zumutet. 
Hamm: Das von Ihnen geschilderte Verfahren der Großindustrie 
ist aber wohl für die Gesamtheit des Eisenbaues nicht gerade als typisch 
anzusehen? 
Sachverständiger L.: Zweifellos nicht.
	        
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