Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

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Hamm: Sondern wenn eine Behörde einen Auftrag gibt, läßt sie 
sich doch häufig die Projekte von den Lieferfirmen beschaffen. 
Sachverständiger L.: Das kommt vor, sogar bei großen Objekten, 
z. B. bei der Rheinbrücke in Köln. Aber da wäre es wohl eigentlich 
Aufgabe des Verbandes, etwas Derartiges zu bekämpfen, 
Vorsitzender: Sie sehen derartige Ausschreibungen auf sehr breiter 
Basis wirtschaftlich als schädlich an? 
Sachverständiger L.: Es ist zweifellos ein Schaden. Wenn man 
heute große Objekte ausschreibt und den Firmen anheimgibt oder sie 
womöglich auffordert, schwierige Projekte zu machen, und wenn man 
dabei, wie es auch vorgekommen sein soll, 20 bis 30 Firmen zuläßt, so- 
ist das auch etwas, was vom Verbande bekämpft werden müßte. Anders 
liegt es mit der freiwilligen Arbeit der Firmen, sofern sie nicht nach 
Jer Natur des Falles überflüssig ist. Die Firmen neigen, wenn der 
Ausschreibung ein Projekt zugrunde liegt und nur ein Preisangebot 
verlangt wird, oft dazu, ein Gegenprojekt mit günstigerer, d, h. leich- 
terer Konstruktion aufzustellen, und zwar kostenlos und freiwillig, um 
sich den Auftrag zu sichern und einen Vorsprung vor der Konkurrenz 
zu erlangen. Man kann eben nicht nur durch billige Preise, sondern 
auch durch bessere technische Arbeit ein Angebot günstig gestalten. 
Dies einfach ausschalten zu wollen, ist aber nicht möglich und nicht 
aützlich. Man kann und darf den Fortschritt, der in solchen technisch 
gut durchgearbeiteten Projekten liegen kann, nicht aufhalten. Schwach 
beschäftigte Firmen werden m. E. stets solche Mehrarbeit freiwillig bei 
Offertstellungen leisten, und das wird im Allgemeininteresse der Tech- 
nik und Wirtschaft nicht unterbunden werden dürfen. auch nicht vom 
Verband. 
Zusammenfassend sage ich: Es liegt nicht im Interesse der Wirt- 
schaft, daß bei Ausschreibungen den Firmen die ganze Projektarbeit 
(also mehreren gleichzeitig) aufgebürdet wird. Es müßte möglichst 
jeder Ausschreibung ein Projekt zugrunde liegen. Es liegt aber im 
Interesse des technischen Fortschritte, den Firmen freizustellen, Gegen- 
proiekte zu machen. 
Sachverständiger E. 
a. Sachverständiger E. (mit dem Gegenstande der Vernehmung bekannt- 
Reichsbahn gemacht): Die Deutsche Reichsbahn hat in den letzten beiden Jahren 
aus wirtschaftlichen Gründen die Verwendung von neuen Baustählen 
bei ihren Eisenbauwerken nachdrücklich gefördert. Die Bearbeitung 
dieser Stähle in der Werkstatt erfordert größere Sorgfalt als die Be- 
arbeitung des bisher für die Eisenbauwerke im allgemeinen verwen- 
deten Flußeisens. Die Deutsche Reichsbahn war im Interesse der 
Betriebssicherheit ihrer Eisenbauwerke infolgedessen gezwungen, in 
letzter Zeit von öffentlichen Ausschreibungen bei Vergebung von Eisen- 
bauwerken abzusehen, da die Einrichtungen mancher kleinerer Brücken- 
bauanstalten nicht die Gewähr für die unbedingt nötige sorgfältige Aus- 
führung der Bauwerke bieten.
	        
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