Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

Im Jahre 1926 wurde aus vorstehenden Gründen zwischen der 
Deutschen Reichsbahn und dem Deutschen Eisenbau-Verband ein Ab- 
kommen über die Vergebung von größeren Eisenbauten getroffen, nach- 
dem die größeren Bauwerke an 14 große dem Deutschen Eisenbau-Ver- 
band angeschlossene Brückenbauanstalten auf Grund von freihändigen 
Verhandlungen und auf Grund von Richtpreisen vergeben wurden. 
Diese Vergebungsart wurde im Jahre 1927 auf sämtliche Eisenbau- 
werke und auf sämtliche dem ‚Deutschen Eisenbau-Verband ange- 
schlossene Eisenbauanstalten ausgedehnt. Dem Deutschen Eisenbau- 
Verband wurden von den Reichsbahndirektionen sämtliche zur Aus- 
führung kommende Eisenbauten mitgeteilt, worauf der Eisenbau- 
Verband der den Bau vergebenden Reichsbahndirektion eine Firma für 
die Ausführung vorschlueg. 
Die Verhandlungen der Reichsbahndirektion mit dieser Firma 
wurden dann auf Grund der Richtpreise geführt. Diese Richtpreise 
wurden für die hauptsächlichst vorkommenden Arten von Brücken von 
einem aus Mitgliedern der Deutschen Reichsbahn und des Deutschen 
Eisenbau-Verbandes zusammengesetzen. Richtpreisausschuß auf Grund 
der vom Deutschen Eisenbau-Verband zur Verfügung gestellten ein- 
gehenden Kalkulationsgrundlagen aufgestellt. Sie gelten für normale 
Fälle als Höchstpreise. Nur in besonderen Fällen, bei besonders 
schwierigen Montagen z. B. wurden diese Preise überschritten. Im 
allgemeinen blieben die erzielten Preise stets unter den Richtpreisen. 
Die für die einzelnen Ausführungen vereinbarten Preise wurden inner- 
nalb der Deutschen Reichsbahn sämtlichen Reichsbahndirektionen be- 
kanntgegeben, so daß eine ständige Nachvrüfung der Preise mög- 
lich war 
\bkommen 
mit dem 
Verbande 
Richtpreise 
Vorsitzender: Haben Sie dieses Ergebnis dadurch erzielt, daß die 
Firmen untereinander in Konkurrenz standen, oder ist es im Wege 
direkter Verhandlungen von Ihrer Seite aus erreicht worden? 
Sachverständiger E.: Die Preise wurden steteg durch direkte Ver- 
handlungen mit der vom Deutschen Eisenbau-Verband vorgeschlagenen 
Firma festgesetzt. Auf diesem Wege wurde in den allermeisten Fällen 
der von der Firma zunächst geforderte Preis, falls er der Reichsbahn- 
direktion auf Grund der Richtpreise zu hoch erschien, herabgesetzt. 
Für diejenigen Fälle, in denen eine Einigung nicht zustande kam, hatte 
sich die Reichsbahn das Recht vorbehalten, die Verhandlungen abzu- 
brechen, worauf der Deutsche Eisenbau-Verband' eine andere Firma 
vorzuschlagen hatte. 
Vorsitzender: So daß also nach Ihrem Eindruck der Verband hin- 
sichtlich der Preise nicht stark kartellmäßie wirken kann oder will? 
Sachverständiger E.: Nein. Jedenfalls nicht für die auf Grund der 
Richtpreise getätigten Lieferungen an die Reichsbahn. Wir haben im 
Laufe der Zeit einen so guten Einblick in die Unkosten der Werke 
bekommen, daß wir uns auf die Richtpreise verlassen können. Durch 
lie Bekanntgabe der Verhandlungen des Richtpreisausschusses an sämt- 
3 Enquete-Ausschuß. I. 2%. Teil. 2. Ahachn. 
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