Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

2. Übereinkommen wegen Errichtung einer 
„Nachrichtenstelle‘“ im Betonz und Tiefbau- 
gewerbe. 
a) Bericht. 
Die Beton- und Tiefbauindustrie hat sich auf organisatorischem 
Gebiete erst in jüngerer Zeit entwickelt. Im Jahre 1910 errichtete eine 
Anzahl führender Firmen eine Nachrichtenstelle, um auf das Verdin- 
gungswesen einzuwirken, aber erst im Jahre 1918 erfolgte die Gründung 
des Beton- und Tiefbauwirtschaftsverbandes, der sich mit den Gesamt- 
interessen des Faches auf wirtschaftspolitischem Gebiet befassen soll. 
Zwar regten sich im Laufe der Jahre manche verbandsbildenden Kräfte, 
die durch Mißstände in der Auftragsvergebung oder durch Kartellierung 
der Vorindustrien (Eisen, Zement, Ziegel) genährt wurden, aber die 
Eigenart der Industrie selbst wirkte dem erstrebten Zusammenschluß 
stark entgegen. 
Die Betriebsstruktur der einzelnen Unternehmungen ist nicht 
zleichartig. Sie stellen Eisenbetonbauten sowie Tief- und Hochbauten 
der verschiedensten Art her und weisen alle Größenordnungen betrieb- 
licher Natur auf. Das Entstehen neuer Baufirmen. ist leicht, zumal es 
möglich ist, sich einen großen Teil der notwendigen Geräte mietweise zu 
beschaffen. Dazu tritt der ständige Wettbewerb anderer Bauweisen, 
vor allem des Eisen-, mitunter auch des Holzbaues. Diese Umstände 
haben in Verbindung mit der schwankenden Konjunktur und dem jahre- 
langen Darniederliegen des Baumarktes in der Kriegs- und Nachkriegs- 
zeit zu einer häufigen Unterbeschäftigung der ganzen Bauindustrie und 
damit auch der Beton- und Tiefbauindustrie geführt. Zu einem wirk- 
samen Versuch umfassender Regelung der Preis- und Absatzverhält- 
nisse ist es bisher nicht gekommen. 
Lediglich der Beton- und Tiefbauwirtschaftsverband hat im Rahmen 
der Zwangswirtschaft und während der Inflation, entgegen seinem 
eigentlichen Aufgabenkreis, vorübergehend einzelne kartellpolitische 
Funktionen allgemeiner Art übernommen, wie die Berechnung gewisser 
Unkostensätze und die Aufstellung von „Bedingungen für Bauarbeiten“ 
Dabei handelte es sich aber nicht um bindende Kartellvorschriften, 
sondern durchweg um Empfehlungen und Ratschläge an die Mitglieder. 
Mit der fortschreitenden Verbesserung der Rohstoffversorgung und der
	        
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