Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

dualleistungen, deren Gestehungskosten im Hinblick auf die unter- 
schiedlichen Vorbedingungen schwer vergleichbar erscheinen. Zwar 
sind die Preise für wichtige Rohstoffe durch Kartelle und die Arbeits- 
löhne durch Tarifverträge in weitgehendem Ausmaß einheitlich ge- 
regelt, aber die wechselnde Anpassung an die natürlichen Gegebenheiten 
örtlichen Charakters, an die Beschaffenheit des Baugrundes mit ihren 
technischen und wirtschaftlichen Risiken, die Art und Größe des Bau- 
objekts, die Länge der zur Verfügung stehenden Bauzeit, die Fracht und 
Anfuhrverhältnisse, führen zu dauernden Verschiebungen in den Rela- 
tionen der einzelnen Kostenelemente. Hervorgehoben wird in den Be- 
richten der Industrie, daß die Leistungen der Arbeiterschaft regional 
sehr verschieden seien und daß die starke Beschäftigung von Notstands- 
arbeitern in der Nachkriegszeit das Arbeitsergebnis und die Lohnrisiken 
trotz des Tarifwesens besonders schwankend gestaltet habe. Zu der- 
artigen objektiven Momenten. tritt noch der Umstand, daß die Bewer- 
tung der zahlreichen Einzelfaktoren und der unter ihnen bestehenden 
Wechselwirkungen im Rahmen jeder Gesamtkalkulation bei den ein- 
zelnen Unternehmern — also subiektiv — häufig sehr verschieden ist, 
selbet wenn die kaufmännische Kalkulation gewissenhaft angestellt 
wird. Die hiernach gegebene kalkulatorische Unsicherheit und Un- 
durcheichtigkeit hat den Verdingungsausschuß bestimmt, an dem freien 
Wettbewerb als Regulativ für die Marktverhältnisse und im Normal- 
fall auch an der — öffentlichen oder beschränkten — Ausschreibung 
festzuhalten (V OB 88 2 und 3). 
Für die freie Preisbildung hat sich die Vielfältigkeit der Kosten- 
faktoren und die geringe Meßbarkeit eines Teiles derselben in Verbin- 
dung mit den Wettbewerbsverhältnissen preisdrückend ausgewirkt. Im 
gleichen Sinne wirkte das bei Ausschreibungen vielfach übliche Aus- 
spielen des einen Bauunternehmers gegen den anderen, sowie das ‚Be- 
dürfnie der letzteren, sich trotz schwankender Nachfrage die Fach- 
angestellten und -arbeiter durch dauernde Beschäftigung zu erhalten 
und das Gerät durch regelmäßigen Einsatz rationell zu verwerten. Es 
konnte nicht ausbleiben, daß der Preisdruck bei schlechter Konjunktur 
die Qualität der Leistungen gefährdete und beklagenswerte Geschäfts- 
methoden hervorrief. Übereinstimmend wird von den Sachverständigen 
berichtet, daß häufig Nachforderungen auf die vereinbarten niedrigen 
Preise gestellt wurden, und zwar teilweise unter Androhung der Bau- 
einstellung. Das führte zu vielen unliebsamen Streitigkeiten und ver- 
mehrte das Bedürfnis nach Zurückdrängung nicht leistungsfähiger 
Firmen. Dazu kamen ernste Schäden und Gefahren, die sich auf tech- 
nischem Gebiet, insbesondere bei der steigenden Einbürgerung der Eisen- 
betonbauweise, zeigten. Mangelnde Erfahrung neuer oder schlecht ge- 
leiteter Firmen sowie vielfach unauskömmliche Preise ließen untaug- 
liche Bauwerke erstehen, welche nicht selten die öffentliche Sicherheit 
gefährdeten. Derartigen Erscheinungen will die Verdingungsordnung 
nicht nur durch den Hinweis auf die Heranziehung leistungsfähiger 
Firmen, ‚sondern auch durch sonstige Vorschriften, insbesondere solche 
technischer Natur, begegnen. So enthält sie z. B. in Abschnitt IV ein- 
gehende technische Bestimmungen über Beton- und Eisenbetonarbeiten. 
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