Full text: Bau- und Baustoffindustrie (2)

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schutz 
Professor Dr. Harms: Immerhin kommen auch Fälle vor, in denen 
Sie sich einigen. (Zustimmung.) Dann soll eine Firma das niedrigste 
Angebot abgeben. Die anderen müssen höher anbieten, und zwar ver- 
mutlich wesentlich höher, weil sonst nach dem, was wir bereits be- 
sprachen, vielleicht doch einer von ihnen den Auftrag erhält? 
Sachverständiger W.: Das trifft nicht zu, denn jeder, der an einer 
Verständigung beteiligt ist, hofft auch noch, den Auftrag zu einem 
höheren Preise zu bekommen. Das ist eines der schwierigsten Kapitel, 
wobei oft stundenlang darüber gestritten wird, wie die Reihenfolge der 
Überbietungen sein soll. Da versucht jeder, möglichst nahe an das 
niedrigste Gebot heranzukommen, um noch die Möglichkeit zu haben, 
etwa durch bessere Beziehungen zum Bauherrn oder dadurch, daß er 
eine größere Sicherheit bietet oder daß der Ruf seiner Firma ein 
besserer ist, den Auftrag hereinzubekommen. Ich kann sagen, daß 
meine Gesellschaft in vielen Fällen trotz höheren Preises den Auftrag 
bekommen hat, namentlich wenn es sich um kleinere Firmen gehandelt 
hat. die dem Bauherrn nicht dieselbe Gewähr boten. 
Professor Dr. Harms: Darauf wollte ich hinaus. Wenn dieses 
System funktionieren goll, müßte eine so große Differenz im Preis- 
angebot bestehen, daß der Auserkorene auch sicher den Auftrag erhält. 
Aber der Anwendung dieser Methode steht die Tatsache entgegen, daß 
die übrigen hoffen, vielleicht doch noch den Zuschlag zu bekommen. 
Wird oft lange über die Differenz gestritten? (Sachverständiger 
W.: Ja!) Auch über die Reihenfolge, wer das höchste Angebot ab- 
zeben muß? 
Sachverständiger W.: Ja. Häufig scheitert die Verhandlung auch 
daran, daß einer erklärt: Ich trete nur zugunsten dieser oder jener Firma 
zurück, oder: ich schütze nur dann, wenn ich beispielsweise nur mit 
3000 M. zu. überbieten brauche oder nur */4°/ oder */2 "I, teurer zu Sein 
brauche. Dann hat die betroffene Firma sich nicht darauf eingelassen, 
weil sie darin keinen wirksamen Schutz erblickte. Der andere hätte 
vielleicht trotz des höheren Preises aus den früher genannten Gründen 
den Auftrag hereingeholt. 
Dr. Hilferding: Liegt nicht überhaupt eine große Schwierigkeit, zu 
Vereinbarungen zu kommen, darin, daß die Firmen ihr Angebot vor 
den Konkurrenten nennen müssen? Es ist doch so, daß dann der Be- 
treffende seine Kalkulation dem anderen preisgibt, so daß dieser in sie 
sintreten kann. wenn es nicht zu einer Vereinbarung kommt. 
Sachverständiger W.: Das ist sicher nicht ganz angenehm, Aber 
das ist ein Übel, das man in Kanf nehmen muß, um etwas Besseres zu 
erreichen. 
Dr. Hilferding: Sie erblicken darin kein Hindernis für das Zustande- 
kommen der Verhandlungen oder Vereinbarungen? 
Sachverständiger W.: Häufig doch! Aber das geht nicht anders. 
Man deckt übrigens den Preis meistens erst auf. wenn eine Gewißheit 
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