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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Die Eisenbahnen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

127 
Der große Gotthardtunnel. 
abführung wegen erforderlich. Der Tunnel ist bis auf ein kurzes Stück am Südende gerad 
linig durchbohrt. Sieben Jahre und fünf Monate waren die Mineure auf beiden Seiten 
in angestrengtester Arbeit thätig gewesen. Als dann endlich der Durchschlag tief im Ge 
birge — 7800 m von der Nordmündung entfernt — erfolgte, da wichen die Mittellinien 
der Tunnelhälften sowohl in der Breite wie in der Höhe nur wenige Zentimeter von 
einander ab, ein gewiß glänzendes Ergebnis und ein tadelloses Zeugnis sowohl für die 
sorgfältige trigonometrische Vermessung der Tunnellinie, bei der sogar der Polarstern als 
unverrückbarer Punkt herangezogen war, als auch für die genaue Festlegung der Achse 
im Tunnelinneren. 
Auf die hochinteressanten Arbeiten im Tunnel, zu denen ein ganzes Heer von Arbeitern 
herangezogen war, näher einzugehen, ist nicht Zweck dieser Arbeit. Es genüge hier anzu 
führen, daß zeitweilig die Arbeiten durch Wasserandrang sehr erschwert wurden. Es wurden 
einmal Wasseradern angeschlagen, die 1200 cbm in der Stunde lieferten. An anderen Stellen 
wiederum war der Druck des Gebirges so gewaltig, daß die ungemein starke Holzzimmeruug 
wiederholt zerknickt, die Ausmauerung später zerstört wurde. Namentlich unter der Ander 
matter Gegend war dieser Druck besonders heftig. Die Gewölbemauerung von 1 in Stärke 
wurde dreimal zertrümmert, bis man sie im Scheitel 1,4 m und im Widerlager 2 1 / 2 in dick 
aus hartem Granit herstellte. Sodann war die Wärme im Tunnel lästig. Sie nahm mit 
wachsender Länge desselben zu. Ws Verfasser 1878 die Bauarbeiten besichtigte, herrschte in 
einem Abstande von etwa 3 km vom Nordeingange bereits eine Temperatur von 23° 0. 
(Die Verschiedenheit der Außentemperatur hat, wie sich auch jetzt wieder im Eigertunnel ge 
zeigt hat, keinen nennenswerten Einfluß auf die Wärme im Tunnel, solange dieser nicht 
durchgeschlagen ist). Nahe der 1700 m hoch vom Gebirge überlagerten Tunnelmittc stieg die 
natürliche Gesteinswärme später aus ungefähr 31° 0. Die Luftwärme steigerte sich hier infolge 
der menschlichen Thätigkeit (Sprenggase, Lampenlicht u. s. w.) auf ungefähr 34° 0. bei —5° 
Außentemperatur. Die Tunnelarbeiter konnten auch nur sehr leicht bekleidet thätig sein. Die 
hohe Wärme war ihr ärgster Feind. Nach der Vollendung des Tunnels sank sic infolge der 
natürlichen Luftströmung auf etwa 17° 0. im Mittel. Im September 1872 hatten die Arbeiten 
im Tunnel bei Göschenen auf der Nord- und bei Airolo ans der Südseite begonnen. Im 
Frühling 1873 nahm die Maschinenbohrung ihren Anfang. Mehrere Tausend Arbeiter — 
meistens Italiener — waren seitdem ständig in Thätigkeit gewesen. Am Abend des 28. Februar 
1880 endlich drang der Bohrer einer Bohrmaschine von der Südseite her durch die letzte 
noch trennende Gesteinswand: eine Verbindung zwischen den beiden Tunnclhälften war ge 
schaffen. Als ersten Gruß vom Süden schickte man das Bild Louis Favres hindurch, des 
thatkräftigen und sachkundigen Unternehmers der Tunnelarbeiten, der plötzlich am 19. Juli 
1879 im Tunnel am Schlagfluß verstorben war. Ihm galt darum dieser stumme Gruß, ein 
rührendes Zeichen der Anhänglichkeit und Anerkennung von seiten seiner ehemaligen Unter 
gebenen. Am 29. Februar 1880 fiel sodann die Scheidewand vollends. Der Durchschlag war 
geschehen, freudig begrüßt von der ganzen zivilisierten Welt. 
Am 1. Juni 1882, nach zehnjähriger Bauzeit, konnte die Gotthardbahn den: Verkehr über 
geben werden. Ihr damals 240 km langes Netz — Jmmensce-Chiasso und zwei Abzweigungen 
bei Bellinzona — hat einschließlich Ausstattung 180 573 000 Mark gekostet, das macht 
752 386 Mark für das Kilometer. Zu dieser Summe haben die drei an der Bahn inter 
essierten Staaten 95,2 Millionen Mark als Zuschuß & fonds perdu beigetragen und zwar: 
Deutschland 24 Millionen Mark, 
die Schweiz 24,8 „ „ , 
Italien 46,4 „ „ . 
Das übrige ist durch Ausgabe von Aktien und Schuldscheinen ausgebracht worden. Die Gott 
hardbahn ist in den letzten Jahren mit einem weiteren Kostcnaufwande von 30 Millionen 
Mark zweigleisig ausgebaut und von Jmmensee nach Luzern erweitert worden. Der Kosten 
ersparnis wegen war die Bahn nur eingleisig hergestellt worden. Der Einbau des zweiten 
Gleises begegnete besonderen Schwierigkeiten, zumal er ohne Störung des Betriebes bewirkt 
werden mußte. Nur der große Tunnel war von Haus aus für zwei Gleise ausgebrochen 
worden. Die aus ihm entsernte Gestcinsmenge beläuft sich auf etwa 800 000 cbm. Diese 
Masse, auf offene Güterwagen verladen, würde einen Riesenzug bilden, der von Hannover 
über Köln bis Hcrbesthal reichte. 
Durch den Bau der Gotthardbahn ist das Eisenbahnwesen ungemein bereichert 
worden. Die bei ihm gesammelten vielseitigen Erfahrungen haben fruchtbringend auf die 
Technik zurückgewirkt. Vor allem ist dem Tunnelbau, der noch nie zuvor eine solch aus 
gedehnte Nutzanwendung gefunden hat, eine ganz besondere Förderung widerfahren. Die 
Fortschritte, die mit der Zeit hierin zu verzeichnen sind, zeigen sich recht deutlich bei den 
großen Tunneln der europäischen Alpenbahnen sowohl in der Länge ihrer Bauzeit, als auch 
in der Höhe der Baukosten. Nachstehende Übersicht gibt die betreffenden Vergleichszahlen:
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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