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Wesen und Weg der Sozialisierung

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Bibliographic data

fullscreen: Wesen und Weg der Sozialisierung

Monograph

Identifikator:
1012117413
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-25241
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Wesen und Weg der Sozialisierung
Edition:
Sechste und siebente, unveränderte Auflage
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (21 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Wesen und Weg der Sozialisierung
  • Title page
  • Contents

Full text

15 
dige Verwaltungswirtschaft letzten Endes Naturalwirt 
schaft ist. Sozialisieren heißt daher die Naturalwirtschaft fördern. 
An der zersplitterten, unbeherrschbaren Geldordnung festhalten und 
gleichzeitig sozialisieren wollen, ist ein innerer Widerspruch. Es ge 
hört zum Wesen des Geldes, daß es nicht geleitet werden kann, und 
alle Versuche, die „richtige Geldmenge“ zu bestimmen, sind vergeb 
liches Bemühen. Die bisherigen geldpolitischen Bestrebungen waren 
praktisch ergebnislos, theoretisch unzulänglich, nicht weil die Be 
arbeiter unfähig waren, sondern weil das Geld ein ungeeignetes 
Objekt all dieser Bemühungen war. Wenn man einmal das Wesen 
des Geldes voll erkannt haben wird, dann wird es allen wie Schuppen 
von den Augen fallen, und die Entwicklung von Jahrhunderten wird 
wie ein großer Irrtum erscheinen. Späteren Geschlechtern mag 
es dann Vorbehalten sein, zu zeigen, welche befruchtenden, welche ver 
nichtenden Wirkungen das unaufhörliche Streben nach einer vollkom 
menen Geldordnung erzeugt hat. 
In einer Großnaturalwirtschaft, in einer sozialisierten Wirtschaft 
ist das Geld keine treibende Kraft mehr. Es gibt dann keinen „Rein 
gewinn“, um dessentwillen produziert würde. Geld kann höchstens 
als Anweisung auf allerlei Gegenstände und Leistungen bestehen blei 
ben, welche der einzelne Verbraucher erhält, um seinen Verbrauch 
einrichten zu können. Es hängt vom gesamten Wirtschaftsplan ab, in 
welchem Ausmaß die Mannigfaltigkeit des Einzeldaseins Berücksichti 
gung finden kann. Eins werde vorweg festgestellt: Innerhalb 
einer sozialisierten Wirtschaft kann eine weit grö 
ßere Mannigfaltigkeit der Lebensweise ermöglicht 
werden, als innerhalb der freien Verkehrswirtschaft. 
Die freie Konkurrenz erzwang eine weitgehende Gleichartigkeit. Die 
Arbeitszeit z. B. paßte sich der „Weltarbeitszeit“ an, da ja alles auf 
alles durch Vermittlung des Marktes einwirkte. Ganz anders inner 
halb der sozialisierten Wirtschaft. Es kann, wenn es die Gesellschaft 
wünscht, neben dem achtstündigen Arbeitstag für Durchschnittsarbeiter 
ein sechsstündiger für Kriegsbeschädigte und Alternde Geltung haben. 
Die Ausschaltung des Reingewinns ist eine notwendige Folge 
der Sozialisierung; selbst in einer nur teilweise durchgeführten 
Verwaltungswirtschaft, wie es die Kriegswirtschaft war, wurde der 
Reingewinn im wesentlichen willkürlich festgesetzt. Wenn durch Ver 
bände oder durch den Staat Mindestlöhne und Höchstpreise festgelegt 
sind, ist der Reingewinn im wesentlichen mitbestimmt. Er ist dann 
eigentlich ein verwaltungsmäßig bestimmtes Geldeinkommen und
	        

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Wesen Und Weg Der Sozialisierung. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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