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Sittlichkeit in Ziffern?

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Bibliographic data

fullscreen: Sittlichkeit in Ziffern?

Monograph

Identifikator:
1779816413
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-167099
Document type:
Monograph
Author:
Michels, Robert http://d-nb.info/gnd/118733737
Title:
Sittlichkeit in Ziffern?
Place of publication:
München [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1928
Scope:
VIII, 229 Seiten
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. Kriterien
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Sittlichkeit in Ziffern?
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. Theoretische Vorfragen
  • Zweiter Teil. Statistische Vorfragen
  • Dritter Teil. Kriterien
  • Teil IV. Akzessorische Fragen der moralstatistischen Kausalitäten
  • Schlußbemerkung
  • Index

Full text

100 
Dritter Teil. 
nationale Verschiedenheit des Don-Juan-Typus hat man kon- 
struieren wollen 151, 
Eine Minderwertigkeit und auch größere Flatterhaftigkeit 
und geringere Liebesdauer der deutschen Verhältnisse im Ver- 
gleich mit den französischen Grisetten hat Hellpach auf die 
verschiedenen Wohnsitten und Wohnpolizeiverordnungen zu- 
rückführen wollen. Der Berliner Wohnungsmieter z. B. pflegt 
das Zusammenwohnen ehelich nicht getrauter Liebesleute nicht 
zu gestatten. Der Pariser hingegen ja. Oder doch wenigstens 
bis zu einem gewissen Grade. Zu den Begriffen: in den besseren 
Studentenhotels des Pariser Quartier Latin gilt auch heute noch 
als hötel sörieux (ernstes Hotel) dasjenige Hotel, das seinen 
Mietern nur einmal wöchentlich erlaubt, die Liebste nachts mit 
auf das Zimmer zu nehmen. Pas serieux hingegen sind die 
Hotels, welche Gelegenheitspärchen Aufnahme gestatten sowie 
diejenigen, welche ihren Klienten erlauben, dauernd unstatt- 
hafte Beziehungen in ihren Wänden zu unterhalten. — Kurz- 
um, aus der Artverschiedenheit des deutschen und des fran- 
zösischen Liebeslebens erhelle, daß das deutsche „Verhältnis“ 
geschlossen, was nach amerikanischen Sitten sein Fortkommen ernstlich in 
Frage stellt, Die drei geschlechtlich Lebenden stimmen gegen ihn, nicht etwa, 
weil sie ihre Form der Liebe für die anständigere hielten, sondern weil sie, 
von deren eigenem Luderleben offiziell nichts gewußt wird, dem Ertappten 
nicht zur Seite stehen wollen. Während der Examenszeit ist es in einigen 
Fraternities Sitte, daß die ihnen angehörigen Studenten ihren Bart wachsen 
lassen: die kausale Auslegung dieser Maßregel ist nicht einheitlich. Die einen 
sagen, daß das Nicht-zum-Rasiermesser-Greifen ein Symbol für die Aus- 
schließlichkeit der geistigen Konzentration auf die Arbeit ist, die für welt- 
liche Dinge keinen Spielraum mehr läßt. Eine zweite Auslegung besagt, 
daß, da das amerikanische Girl jedem nicht glattrasierten Mann glatt aus 
dem Wege geht, das Nichtrasieren den jungen Mann zwingt, auf den Flirt 
solange zu verzichten, bis er sein Examen absolviert hat. (Vgl. im übrigen 
S. 197. unseres Buches,) 
1 Eugen Dühren (I. Bloch), Das Geschlechtsleben in England, 
1901; Iwan Bloch, Das Sexualleben unserer Zeit (z. Aufl.), Berlin 190% 
Marcus, S. 320.
	        

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Sittlichkeit in Ziffern? Duncker & Humblot, 1928.
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