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Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

Monograph

Identifikator:
1779855281
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-164105
Document type:
Monograph
Author:
Mahlberg, Walter http://d-nb.info/gnd/101605218
Title:
Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Gloeckner
Year of publication:
1928
Scope:
VI, 122 S.
graph. Darst
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
2. Die Sabotage der Reparationszahlungen durch den Mechanismus der Weltwirtschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft
  • Title page
  • Contents
  • 1. Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden und der Denkfehler der Ausgleichsnotwendigkeit
  • 2. Die Sabotage der Reparationszahlungen durch den Mechanismus der Weltwirtschaft
  • 3. Schlußfolgerungen für die Organisation des Geld- und Kapitalmarkts

Full text

90 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft, 
hat zwar logische fiskalische, wirtschaftspolitische, verteidigungspolitische [Er- 
nährungsautarkie im Kriegsfalle] usw. Gründe, aber deren Logik saugt ihre beste 
Kraft aus der Naivität unseres unbewußten Denkens, welches von dem Zustand 
ausgeht, als noch Hoheitsgebiet und Wirtschaftsgebiet eine Einheit bildeten.‘ 
Es ist durchaus berechtigt, sich die Welt so vorzustellen, also die Landes- 
grenzen und das, was damit zusammenhängt, zu vernachlässigen, denn wirtschaft- 
lich ist die Welt seit langem eine Einheit, wirtschaftlich ist die Bedeutung der 
nationalen Unterscheidungen ungeheuer zusammengeschrumpft, wirtschaftlich ist 
die Welt bereits ein echter „Völkerbund‘“, nur muß man versuchen, sich das 
heitere weltwirtschaftliche Bild der Vorkriegszeit deutlich genug vorzustellen, man 
muß sich den nationalistischen Überschwang der Jetztzeit in allen Ländern mit 
seiner wirtschaftlichen Sinnlosigkeit als nicht von Dauer seiend wegdenken. 
Sieht man die Welt so an, dann erkennt man die Ohnmacht der Reparationen 
in ihrer vollen Größe. Dann sind sie nichts anderes, als der ohnmächtige Versuch, 
durch einhirniges Diktat, durch untauglichen Zwang die Weltwirtschaft zu be- 
einflussen. Die Reparationen sind Weltzwangswirtschaft und nichts mehr. Die 
Zwangswirtschaft zwingt in Deutschland zu starker Kapitalbildung, wie ein kapi- 
talistischer Titane es nicht besser könnte, erzwingt in den Empfangsländern durch 
die Fiktion der Barzahlung die Ankurbelung einer Konjunktur, stört durch die Sach- 
lieferungen den arbeitsteiligen Güteraustausch der Weltwirtschaft, 1äßt also „Ware 
spazieren. fahren‘, wie das in der deutschen Kriegszwangswirtschaft geschah, und 
beschert Deutschland, ganz gewiß gegen den Willen der Gläubiger, einen großen 
konjunkturalen Aufschwung, Der „Titane‘ verschenkt den Gegenwert des durch 
seinen Zwang in Deutschland gebildeten Kapitals durch Nicht-Einhebung von Steuern, 
sodaß das Eigentumsrecht an dem deutschen Kapital von den Franzosen usw. 
noch einmal privatwirtschaftlich erspart werden muß — erspart werden kann, weil 
ja Steuern gespart werden, aber nur unter starken Reibungsverlusten —, sodaß 
sich die Schenkung insoweit wieder aufhebt, 
Vielleicht darf hier noch nachträglich hinzugefügt werden, daß dieser 
deutsche Aufschwung nicht — wie es in Frankreich, England usw. geschieht — 
durch das Existentwerden von Kamitaltitres in „doppeltem‘“ Umfang bzw. durch 
zusätzliche Kaufkraft entsteht, sondern daß eher das Umgekehrte der Fall ist: Man 
hat Angst vor der angeblichen Kapitalnot und ist infolgedessen außerordentlich vor- 
sichtig mit neuen Unternehmungen; leider ist das „Unternehmertum der öffentlichen 
Hand“ umso draufgängerischer, sodaß. auch wir unsere Rute haben, Immerhin 
liegt hier ein erheblicher Unterschied gegenüber den Empfangsländern, 
Und nun sehe man, daß es sich wirklich um vollendete Zwangswirtschaft 
handelt: Verstärkte Kapitalbildung, Konjunkturaufschwung in Deutschland und im 
Ausland, Vergrößerung des internationalen Handels usw., würden auch ohne den 
Reparationszwang als Reaktion auf die Verschwendungsepoche der Kriegszeit ein- 
treten, nur würden sie anders sein, harmonischer sich gestalten, fruchtbarer aus- 
fallen, als es durch den zwangswirtschaftlichen Eingriff der Reparationen der 
Fall ist. Wirtschaft ist es auch jetzt, sie ist nur schlechter als notwendig! 
Nicht Wirtschaft ist es nur in den ganz unerträglichen Fällen, wo Deutschland 
zu Sachlieferungen für unrentable, verfrühte und phantastische Anlagen in Frank- 
reich, Belgien und deren Kolonien gezwungen wird, gegen die sich das Gewissen der 
ganzen Welt auflehnen muß, 
In unserer Ideenkette fehlt noch ein‘ letztes Schlußglied. Ehe darauf 
eingegangen werden kann, muß ich mich ausdrücklich gegen den denkbaren Vor- 
wurf wenden, ich gäbe mit dem weltwirtschaftlichen Ideengebäude alle nationalen
	        

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Reparations-Sabotage Durch Die Weltwirtschaft. Gloeckner, 1928.
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