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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

129 
Zustand erhalten hat, daß der Inhalt der Mitteilung und die mitteilende Person als 
eine Einheit erlebt werden, zeigt sich in überraschender Weise bei der Prüfung der 
Frage, wovon der Erfolg bei Vorlesungen oder Vorträgen abhängt, ob mehr von dem 
dargebotenen Inhalt oder von der Art der Persönlichkeit. Es gibt freilich einen Typus, 
bei dem lediglich der Nugen die Bewertung bestimmt. Im allgemeinen aber gilt hier 
in breiter Ausdehnung der Sag, daß die Persönlichkeit viel mehr als der Inhalt 
über den Erfolg entscheidet: Vorträge und Vorlesungen werden stark besucht, obwohl 
der Zuhörer inhaltlich wenig oder nichts sich aus ihnen anzueignen und mit nach 
Hause zu nehmen vermag; und umgekehrt kann ein wertvoller Inhalt geringe Be- 
achtung finden, weil die Persönlichkeit durch ihren Gesamteindruck nicht lockt. Es 
ist äußerst lehrreich zu sehen, mit welcher elementaren Macht selbst bei einem gei- 
stig hochstehenden Publikum die ursprüngliche Totalität des Eindrucks und das Über- 
gewicht der Persönlichkeit in ihm sich zur Geltung bringt. (Vgl. S. 148.) 
Die verbale Beeinflussung. 
6. Wir haben noch die Frage zu beantworten: welche Per- 
sonen (oder Gruppen oder sonstigen objektiven Gebilde) finden Glau- 
ben und welche Unglauben? In allgemeiner Form haben wir bereits 
darauf geantwortet: die Gläubigkeit herrscht typischerweise in der Ge- 
meinschaft, die Ungläubigkeit in dem Gegenteil der Gemeinschaft. Nur 
der erste Punkt sei hier etwas weiter ausgeführt. Die Bereitwilligkeit 
zur gläubigen Annahme ist an sich wieder verschieden stark ausgeprägt, 
je nach der Persönlichkeit, die sie beansprucht. Man kann häufig beob- 
achten, daß ein und dieselbe Behauptung, die in einem Munde gar keinen 
Eindruck macht, wenn sie aus einem anderen Munde ertönt, sofort wil- 
lige Annahme findet. Der Grund kann hier also nur in der Art der Per- 
sönlichkeit liegen. Wir sehen dabei ab von solchen Fällen, in denen ratio- 
nale Gründe für eine solche Unterscheidung, z. B. die unmittelbare Wirk- 
samkeit eines besonderen fachmännischen Wissens oder Könnens, vor- 
liegen. In den anderen Fällen spielt namentlich das Selbstbewußtsein, 
wie es sich in der Form der Mitteilung bekundet, der von der Persönlich- 
keit ausgehende Gesamteindruck, endlich überhaupt der ganze Inbegriff 
von Eigenschaften eine Rolle, die den Unterordnungstrieb erregen oder 
die Autorität begründen. Wir sehen natürlich auch von denjenigen Fäl- 
len ab, in denen sich die autoritative Person mit ihrer Gefühlsseite für 
ihre Mitteilung einsegt, in denen sie also durch ihre Ausdruckshaltung 
ihren der Mitteilung entsprechenden Affekt lebhaft kund tut; denn hier 
liegt der früher erörterte Fall der Gefühlsübertragung vor. 
Die Autorität erhöht also die Gläubigkeit außer- 
ordentlich. Der Führer zeigt hier seine Führereigenschaft wieder von 
einer neuen Seite: er herrscht über die Seelen auch darin, daß er ihre 
Überzeugungen wesentlich zu bestimmen vermag. Die Tendenz des Ge- 
führten, die verehrte Persönlichkeit sich nach Möglichkeit ganz anzu- 
eignen, enthält auch die Willigkeit in sich, seine Anschauungen und seine 
Denkweise in sich aufzunehmen. Und zwar geht die Aufgeschlossenheit 
Vierkandt. Gesellschaftslehre
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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