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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Gentilizismus und Individualismus. 
425 
stände zu lindern, so wenig Entgegenkommen gefunden haben und so 
langsam an Boden gewinnen, so spricht dabei jedenfalls mit, daß sie auf 
eine eingewurzelte gentilizistische Denkweise als ihren Gegner stoßen. 
4. Wir wenden uns jest dem religiösen Gebiet zu. Der 
Gegensag unserer beiden Typen tritt uns hier als Gegensag von Volks- 
religion und persönlicher Religion entgegen. Die Religion des jüdischen 
Volkes war bekanntlich, ehe die Propheten die einzelne Person in ihren 
Mittelpunkt stellten, eine ausgesprochene Volksreligion: die Angelegen- 
heiten der Gruppe, die kriegerischen Nöte und Siege des Volkes und 
dessen sonstiges Wohlergehen: bildeten ihren Hauptinhalt. Im Kultus 
nahte in erster Linie das Volk als Ganzes mit Dank und Bitte; und 
ebenso waren die Feste Veranstaltungen des ganzen Volkes. Die Nöte 
und Leiden des Einzelnen fanden in dieser Religion nur einen beschei- 
denen Play: so wie die Gruppe solchen „schwachen“ Elementen mit Ab- 
neigung begegnete ($ 7), so erschien auch Gott gegenüber das Unglück 
leicht als Folge einer Schuld!). — Entsprechendes gilt für alle Völker, 
die sich wie die Mexikaner oder Chinesen zu einem stärkeren staatlichen 
Leben, aber in der Religion noch nicht zur Stufe der prophetischen und 
Erlösungsreligion erhoben haben. Steigen wir von diesen Halbkultur- 
völkern herab zu den Naturvölkern, so bleibt der Gruppencharakter un- 
verändert, aber ihr Träger wechselt. Die einschlägige Gruppe ist nicht 
mehr das Volk oder der Stamm, weil dieser noch keine politisch-kriege- 
rischen Aktionen von größerem Ausmaße vollbringt und daher noch keine 
historischen Schicksale kennt, sondern kleinere Einheiten. Hierhin ge- 
hört einerseits die Familie oder Sippe mit ihrem ausgesprochen gentili- 
zistischen Kultus ($ 39), andererseits gibt es besondere Kultgruppen nach 
Art der Totemgruppen; wie bei den legteren eine geschlossene Menschen- 
gruppe zu einer Tierart oder sonstigen Gruppe von Wesen in magisch- 
religiösen Beziehungen steht, ist bekannt. Auch hier ist aber vor ein- 
zeitiger Auffassung zu warnen: in breiter Ausdehnung erstreckt sich 
neben diesen Gruppengebilden die Zauberei als eine vorwiegend persön- 
liche Form des religiösen Lebens durch alle niedrigen und mittleren 
Schichten bis in die höchsten Formen der Religion hinein. Der vor- 
wiegend individualistische Charakter der Zauberei ergibt sich schon dar- 
aus, daß eine ihrer Hauptaufgaben die Heilung von Krankheiten ist; 
das biologische Gebiet ist aber der Vergemeinschaftung unzugänglich 
($ 28,,). Die höchste Form der Religion, die Erlösungsreligion, ist, wie 
schon bemerkt, von Haus aus individualistisch. Wenn die christlichen 
Sekten dem römischen Staat feindlich und unheimlich erschienen, so 
X Vgl. Robertson Smith, Die Religion der Semiten. S. 209.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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