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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Gentilizisemus und Individualismus. 
431 
haben, begünstigt es also, daß Sinn und Gehalt des Gruppenlebens von 
den einzelnen Erlebnissen gleichsam abgelöst und zu einem eigenen Ge- 
bilde verdichtet wird. Indem das Dasein der Gruppe durch sinnliche 
Symbole anschaulich demonstriert wird, wird das Individuum in der 
Überzeugung von ihrem Wert und ihrer Wichtigkeit bestärkt und das 
Eigenleben der Gruppe gekräftigt. 
Für die Besinnung auf die Art und den Wert der eigenen Gruppe ist ihre 
Abhebung von anderen Gruppen, d.h. jede Berührung mit anderen Grup- 
pen, bei der in diesen eine andere als die eigene Eigenart erfaßt wird, förderlich. 
50 wird das Selbstbewußtsein eines Stammes gehoben durch seine Berührung mit 
fremden oder mit befreundeten benachbarten Stämmen. Dasselbe gilt für das Natio- 
2albewußtsein: auch dieses entwickelt sich nicht nur von innen heraus infolge stärkerer 
gegenseitiger innerer Verknüpfung der Teile, sondern namentlich auch durch Be- 
rührung und Auseinandersegung friedlicher oder feindlicher Art mit anderen Na- 
tionen. Wohl bemerkt ist hier nur das Bewußtwerden und nicht das Entstehen des 
Gruppenselbstbewußtseins gemeint. Dieses hat ursprünglich nur einen emotional-prak- 
tischen Charakter; die Vorstellungsseite ist sekundär, und von ihrer Entwicklung ist 
hier die Rede. Dabei kann freilich die Besinnung auf die eigene Art dann auch die 
Stärke des Selbstgefühls nachträglich steigern. — Zum Schluß noch ein paar Beispiele 
aus dem modernen Leben für die in Rede stehenden Eigenschaften des gentilizistischen 
Typus. Bei den studentischen Verbindungen finden wir eine große Gleichförmigkeit 
des ganzen Verhaltens bei den einzelnen Mitgliedern, über das ein peinlicher Kom- 
ment sorgsam in allen Einzelheiten wacht, ebenso ein starkes Abheben nach außen 
in Gestalt eines ausgesprochenen Standesbewußtseins, für das gewissermaßen die 
ganze Welt in die beiden Gruppen der zugehörigen und der nichtzugehörigen Wesen 
zerfällt, und weiter eine enge Geselligkeit. Wesentlich ist hier auch die Bedeutung 
einzelner Symbole und Attribute des gemeinschaftlichen Lebens wie der Couleur und 
des Verbindungshauses, -dieners und -hundes. Sie verstärken das Bewußtsein der 
Zusammengehörigkeit, vor allem aber das Bewußtsein einer objektiven Existenz der 
Verbindung, wie sie anderseits auch die Abhebung von der übrigen Welt begünstigen. 
Noch mehr gilt Entsprechendes von dem Offizierkorps: Abhebung wie Uniformität 
ind hier vielleicht noch stärker entwickelt. Für die lettere ist besonders die Uni- 
form charakteristisch, bei der man wiederum klar erkennen kann, wie sie die in Rede 
stehenden Eigenschaften begünstigt: sie sondert schon äußerlich für den Träger so- 
wohl wie für die Fremden den Offizier von den übrigen Kreisen der Bevölkerung ab. 
Und sie erschwert gleichsam ihren Trägern, das Bewußtsein der Ungleichheit der 
sinzelnen Mitglieder überhaupt in sich aufkommen zu lassen: in der Uniform trägt 
jeder Einzelne das Ganze in sich und an sich und trägt es zur Schau. Sie erinnert 
ihren Träger fortwährend an seine Zugehörigkeit zur Gruppe und damit auch an 
;eine Pflichten ihr gegenüber. Es ist kein Zufall, wenn man von Pflichten gegen die 
Uniform spricht, bei deren Verlegung zugleich in der Uniform die ganze Gruppe mit 
entehrt würde.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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