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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

394 Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik. IV. Deutsche Handelspolitik. 
Vertrage zugestanden sei und gegenüber den meistbegünstigten Staaten verallgemeinert 
werden müsse, nicht darum, daß die Landwirtschaft Opfer bringe, vielmehr darum, daß 
nach wie vor den Landwirten von der deutschen Bevölkerung Opfer gebracht würden. 
Er betonte auch in der Folge, daß er die Getreidezölle für ein schweres, vom Volke 
gebrachtes, jedoch notwendiges Opfer ansehe. Man habe mit gutem Grunde nicht 
den Rat befolgt, vor Abschluß neuer Handelsverträge zunächst einen neuen, allgemeinen 
deutschen Zolltarif mit höheren Sätzen aufzustellen. Es würde das nur das Signal 
gewesen sein, daß auch die übrigen Staaten ihren Tarif erhöht hätten. Der Zollkampf 
würde sich noch verschärft haben. Sobald sich ein Volk an hohe Zölle, seien es auch 
Kampfzölle, gewöhnt habe, schwänden die Chancen für Verhandlungen dahin. Bereits 
jetzt habe man bittere Früchte der 1879—91 befolgten Politik zu kosten gehabt. 
„Wir hätten eine Menge Dinge, die wir jetzt von Osterreich-Üngarn erkauft haben, 
vor einigen Jahren umsonst haben können". Seit Deutschland Schutzzoll treibe, seien 
Industrien in Osterreich-Tlngarn entstanden, die noch vor 10 Jahren nicht existierten. 
Dieselben beanspruchten nun Schutz von der österreichisch-ungarischen Regierung. 
Freiherr v. Marschall führte in ähnlichem Sinne aus: „In Deutschland wird 
das Schutzzollsystem ein gemäßigtes sein, oder es wird nicht sein". 
Die neue Handclsvertragspolitik wurde somit nicht als Abkehr vom Schutzzölle, 
sondern nur als Milderung des bisherigen Hochschutzzollsystems betrachtet. Die haupt 
sächliche ökonomische Motivierung für diesen Schritt war 
1. die Rücksicht auf die internationale Lage und 
2. die Rücksicht auf die Ernährung der arbeitenden Klassen angesichts der 
Bevölkerungsznnahme in Deutschland. 
Im internationalen Verkehr würde nach Ansicht der Regierung, wenn Deutschland 
auf den Abschluß der Handelsverträge nicht eingegangen wäre, ein Krieg aller gegen 
alle entstanden sein. Die Meistbegünstigung habe mit dem Erlöschen der französischen 
Tarifverträge nicht mehr die Bedeutung, dem deutschen Export bestimmte Zollsätze des 
Auslandes zu sichern. Die Vorteile des Systems von 1879—87 hätten sich, so 
führte General v. Caprivi aus, in dem Maße in Nachteile verkehrt, in dem andere 
Staaten dasselbe System annahmen. Bloße Meistbegünstigung sei „Gesamt 
beschädigung" geworden. Auf dem bisherigen Wege fortzugehen, würde der Ruin 
nicht nur unserer Industrie, unseres Arbeiterstandes, sondern auch vielleicht des Staates 
sein. Der Kernsatz der allgemeinen wirtschaftlichen Motivierung der neuen Polittk 
aus der internationalen Lage heraus ist in der Regierungsdenkschrift in folgenden 
Worten enthalten: 
„Der Abschluß neuer internationaler Verträge mit bloßer Meistbegünstigung 
ohne Tariffestsetzung würde Deutschland zwar die Möglichkeit belassen, der einheimischen 
Produktion den eigenen Markt durch beliebige Schutzzölle zu sichern, für die Offen 
haltung der für unsern Export unentbehrlichen Auslandsmärkte aber nicht die geringste 
Garantie bieten. Angesichts des mit der zunehmenden Steigerung der Produktton und 
ihrer Hilfsmittel immer heftiger gewordenen Wettkampfes aller wirtschaftlich fort 
geschrittenen Staaten ist zwischen diesen ein dauernder Handelsverkehr nur denkbar in 
der Form eines rationellen Austausches von Gütern, und letzterer setzt wiederum eine 
gewisse gegcnseittge Beschränkung der freien Verfügung auf zolltarifarischem Gebiete 
voraus. Deutschland würde, zumal bei den heute herrschenden handelspolitischen 
Strömungen, auf die Erhaltung seiner Ausfuhr nicht rechnen diirfen, wenn es nicht 
durch eine solche Beschränkung seinerseits anderen Ländern die Möglichkeit gewährt, 
die empfangene Ware ganz oder teilweise in eigenen Produkten zu bezahlen." 
Der andere Grundgedanke der wirtschaftlichen Argumentation für die neue 
Handelsvertragspolitik, die Fürsorge für wohlfeile Ernährung und für Arbeits 
gelegenheit angesichts fortwährend steigender Bevölkerung, wurde vom Reichskanzler in
	        

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Political Economy. Williams & Norgate [u.a.], 1912.
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