34 Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre.
befindet. Kein Berufskaufmann wird sich weigern, ihm den
Gegenstand seines Begehrens gegen sein Geld abzugeben, vor
ausgesetzt, daß er die genügende Menge Geldes besitzt.
Darin liegt die Überlegenheit des Geldes über jeden
andern Gegenstand, selbst den kostbarsten. Der, welcher große
Reichtümer besitzt, eine Gemäldesammlung, Edelsteine, Kunst
gegenstände, kann sie als Tauschwerkzeuge nur benutzen, wenn
er sie vorher durch den Verkauf in Geld umwandelt, wenn er
sie „realisiert" wie man zu sagen pflegt — ein seltsamer Aus
druck, der bedeutet, daß als Wert das Geld die einzige Realität
ist. In der Tat, wer Geld hat, benötigt nicht dieser Vorarbeit.
Er hat den unmittelbaren Genuß, anstatt manchmal ge
zwungen zu sein, eine gewisse Zeit zu warten, bis er realisieren
kann. Er wird sofort bedient. Er weiß, daß dieses Gut, das
er in Geldform besitzt, immer Käufer finden wird, und das
ist der einzige Besitz, von dem man dies behaupten kann.
Wir haben zehn Jahre lang in unseren südfranzösischen
Departements die Weinbauern beobachtet, die ihre Keller voll
wertlosen Weines hatten, weil sie ihn nicht verkaufen konnten,
d. h. ihn in Geld umsetzen konnten.
Nicht nur findet das bare Geld immer Abnehmer, sondern
es bildet den Gegenstand lebhaften Begehrens bei jedermann.
Folglich gibt es seinem Besitzer nicht nur das, was ich soeben
die Kaufkraft nannte, im wirtschaftlichen Sinne des Wortes,
sondern auch eine Herrschermacht. Nicht umsonst wendet man
in den Geschäftsbriefen die Formeln an: „Erteilen Sie Ihre
Aufträge" und „Wir erwarten Ihre Ordres" oder „ganz zu
Ihren Diensten". Das sind nicht nur Anstandsformeln; sie
sind der wahre Ausdruck der Stellung, die der Besitz des Geldes
gibt, nicht bloß um Waren zu bestellen, sondern auch um
Arbeit anzuordnen. Man kann sich so Dienstleistungen jeder
Art verschaffen, nicht nur ehrenhafte Dienstleistungen, sondern
sogar entehrende.
Das ist nicht der einzige Grund für das, was ich soeben
die magische Macht, die Talisman-Rolle, des Geldes nannte.
Es gibt noch einen andern: das Geld speichert den Wert auf
wie die elektrischen Akkumulatoren, die die elektrische Kraft
je nach Bedarf hergeben. In einer elektrischen Taschenlampe
befindet sich ein kleiner Akkumulator, und man braucht nur
auf einen Knopf zu drücken, um das Licht zu bekommen.
Ebenso ist es mit dem Geld. Es stellt eine Macht dar, deren
sich der Eigentümer bedienen kann, wenn er will. Sehen wir
den Bauern, der vom Markt zurückkommt, wo er seine Butter?