Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Schiffbau.

Grundlagen  des  Schiffbaues.
Auftrieb  und  Deplacement.
Ein  auf  einer  Flüssigkeit  schwimmender  Körper  verdrängt  nach  dem  von  Archimedes
aufgestellten  Prinzip  durch  sein  Volumen  so  viel  von  der  Flüssigkeit,  als  der  Körper  wiegt.
Das  Volumen  des  Körpers,  welcher  die  Flüssigkeit  verdrängt,  nennt  man  sein  Deplacement ­
  oder  die  Wasserverdrängung.  Die  Mittelkraft  der  von  der  Flüssigkeit  auf  die
Wandung  des  Schwimmkörpers  übertragenen  Drücke,  welche  vertikal  aufrecht  gerichtet
ist  —  die  horizontalen  Kräfte  heben  sich  gegenseitig  ans  —  ist  von  gleicher  Größe  mit
dem  Gewicht  des  schwimmenden  Körpers  und  geht  durch  den  Schwerpunkt  der  verdrängten
Flüssigkeit;  sie  wird  Auftrieb  oder  Schwimmkraft  genannt.  Die  Ausdrücke  Deplacement,
Wasserverdrängung,  Auftrieb  und  Schwimmkraft,  ausgedrückt  in  einem  Gewichtsmaß,  sind
demnach  ihrer  Größe  nach  gleich  und  werden  daher  vielfach  miteinander  vertauscht.  Nach
diesen  Gesichtspunkten  ist  das  Deplacement,  ausgedrückt  in  Raummaßen,  das  von  demselben ­
  verdrängte  Wasservolumen.  Jede  Zu-  und  Abnahme  von  Gewichten  des  Schiffes
zieht  eine  Veränderung  des  Deplacements  nach  sich  und  bei  gleicher  Form  des  Schiffes
eine  Tiefertauchung  bezw.  ein  Auftauchen.  Der  Tiefgang,  bis  zu  welchem  das  leere
unbeladene  Schiff  eintaucht,  heißt  der  leichte  Tiefgang,  derjenige  mit  vollständiger
Zuladung  der  geladene  Tiefgang.  In  diesem  Zustande  muß  jedoch  für  die  Sicherheit
des  Schiffes  im  Seegang  und  bei  Neigung  durch  den  Winddrnck  der  Schiffsrumpf  einen
derartigen  Freibord—Austanchung  über  Wasser  —  besitzen,  daß  er  eine  genügende
Reserve  an  Schwimmkraft  oder  Auftrieb  bei  etwa  eintretenden  Leckagen  besitzt.  Der
eingetauchte  Teil  des  Schiffes  liefert  dann  den  Auftrieb,  der  über  Wasser  befindliche,
nach  oben  wasserdicht  abgeschlossene  Teil  den  Reserveauftrieb  oder  die  Reserveschwimmkraft. ­
  Das  Verhältnis  des  Reserveauftriebs  zum  Auftrieb  bildet  die  Grundlage  zur
Festsetzung  der  größten  Beladung  oder  des  geringsten  notwendigen  Freibordes  eines  Schiffes.
Das  Deplacement  eines  Schiffes  setzt  sich  zusammen  aus  dem  Gewicht  des  Schiffskörpers ­
  oder  seinem  Eigengewicht  und  dem  Gewicht  der  Zuladung  oder  des  nützlichen
Deplacements.  Die  Zuladung  besteht  aus  den  Gewichten  der  Ladung,  der  Treibapparate ­
  —  Takelage  und  Segel  bezw.  Maschinen  und  Kesselanlage  nebst  Kohlenvorrat ­
  —  sowie  aus  der  Ausrüstung  nebst  Besatzung  und  Proviant.  Bei  Kriegsschiffen
tritt  an  Stelle  der  Ladung  das  Gewicht  von  Geschützen  nebst  Munition,  Torpedoarmierung
und  der  Panzerung.
Für  den  Konstruktionstiefgang,  welcher  von  dem  Konstrukteur  dem  Entwurf  für  das
vollausgerüstete  Schiff  zu  Grunde  gelegt  wird,  ist  die  Zuladung  gleich  dem  Deplacement
minus  Eigengewicht.  Je  geringer  daher  sich  letzteres  ergibt,  je  größer  ist  bei  Handelsschiffen ­
  die  Ladefähigkeit  und  um  so  günstiger  können  bei  Kriegsschiffen  die  Angriffs-  und
Verteidigungswaffen  gewählt  werden  —  stärkere  und  zahlreiche  Artillerie,  größere
Maschinenkraft  und  dementsprechend  große  Schiffsgeschwindigkeit,  größeres  Kohlenfassungsvermögen ­
  sowie  stärkerer  Panzerschutz.  Es  ist  daher  von  höchster  Wichtigkeit  für  den
Bau  des  Schiffsrumpfes  solides  und  dauerhaftes  Material  mit  einer  wohl  durchdachten
Konstruktion  zu  vereinigen,  um  nach  Möglichkeit  an  überflüssigem  Gewicht  zu  sparen.
Über  die  Größe  des  Eigengewichts  im  Verhältnis  zum  Deplacement  gibt  nachstehende
Tabelle  Aufschluß.

SchtffSIlasse

Prozente  des
Eigengewichtes
vom
Deplacement

Relative  Tragfähigkeit ­
  in
Prozenten  vom
Deplacement

Hölzerne  Handelsschiffe  aus  Fichtenholz.  .  .  .

33-38

67—62

„  „  „  Eichenholz....

40—50

60—50

Eiserne  Handelsschiffe

30—40

70—60

Schnelle  Kreuzer,  stählerne  mit  Holzbeplanknng  .

50

50

Neuere  ungetakelte  Panzerschiffe

35—45

65—55

Torpedoboote

30

70
            
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