Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

684  Eisen-  und  Stahlschiffban:  Hilfsmaschinen.

neben  dem  Dampfbetrieb  auch  auf  elektrischen  und  hydraulischen  Antrieb  der  Hilfsmaschinen ­
  übergegangen.
Von  besonderer  Bedeutung  ist  derDampfsteuerapparat  geworden  zur  Bethätigung
des  Ruders.  Abgesehen  davon,  daß  durch  das  schnellere  Legen  des  Ruders  die  Manövrierfähigkeit ­
  des  Schiffes  erheblich  gesteigert  wird,  indem  der  Drehkreis  ein  kleinerer  wird  und
die  Zeit  zum  Durchlaufen  desselben  sich  verkürzt,  so  ermöglicht  der  Dampfsteuerapparat
es,  daß  selbst  bei  den  größten  Schiffen  ein  Mann  allein  im  stände  ist,  das  Ruder  bei
voller  Fahrt  des  Schiffes,  d.  h.  also  bei  den  großen  Schnelldampfern  und  Kriegsschiffen
bei  18  bis  20  Knoten  Geschwindigkeit,  von  hart  Bord  nach  hart  Bord  in  etwa  20  bis
30  Sekunden  zu  legen.  Für  den  Handbetrieb  sind  hierzu  etwa  12  bis  16  Mann  erforderlich, ­
  welche  das  Ruder  nur  mit  äußerster  Kraftanstrengung  denselben  Weg  in  etwa
2  bis  3  Minuten  bewegen  können.  Die  Dampfsteuermaschine  wird  meist  im  Hinterschiff
in  der  Nähe  der  Ruderpinne  oder  des  Ruderjochs,  bei  Kriegsschiffen  möglichst  geschützt
hinter  Panzerschutz,  aufgestellt,  und  dieselbe  wirkt  mittels  Ketten,  Schrauben-  oder  Rädergetriebe ­

  ans  die  Ruderspindel  bezw.  die  Pinne  ein.  Das  Konstrnktionsprinzip  der  Dampfsteuerapparate ­
  besteht  darin,  daß  die  Handhabung  derselben  mittels  Steuerrades  in  derselben ­
  Weise  wie  beim  Stenern  mittels  Handkraft  erfolgt.  Die  Steuerung  des  Dampfsteuerapparates ­
  ist  dementsprechend  so  eingerichtet,  daß  sie  der  Maschine  nur  so  lange
Dampf  zuführt,  als  das  Handrad  gedreht  wird,  und  daß  die  Maschine  verschieden  umläuft, ­
  je  nachdem  das  Handrad  rechts  oder  links  herumgedreht  wird.  Um  dem  Steuermann ­
  Aufschluß  über  die  jeweilige  Ruderlage  zu  geben,  ist  mit  dem  Handrad  stets  ein
Axiometer  verbunden.  Außerdem  ist  eine  Hemmvorrichtung  vorhanden,  welche  die  Dampfmaschine ­
  zum  Stillstand  bringt,  sobald  das  Ruder  die  Hartbordlage  erreicht  hat.  Das  Handrad ­
  steht  meist  auf  der  Kommandobrücke  oder  in  einem  besonderen  Steuerhaus  auf  derselben,
und  von  hier  geht  zum  Dampfsteuerapparat  eine  besondere  Wellenleitung  zur  Bethätigung
des  Schiebers  der  Maschine.  Bei  sehr  großen  Übertragungsentfernungen  wird  es  meist  erforderlich, ­
  um  die  Kraft  zum  Drehen  des  Handrades  und  der  mit  demselben  verbundenen
Wellenleitung  gering  zu  erhalten,  eine  besondere  Zwischenmaschine  einzuschalten,  welche
vom  Handrad  in  Betrieb  gesetzt  wird  und  welche  alsdann  die  Wellenleitung  zur  Bewegung
des  Schiebers  des  Dampfsteuerapparats  dreht.  Auch  hat  sich  die  Bethätigung  des  Schiebers
des  Dampfsteuerapparates  durch  hydraulische  Kraftübertragung  —  Telemotor  von  Brown  —
gut  bewährt.  Bei  kleineren  Dampfern  wird  der  Cteuerapparat  an  der  Kvmmandostelle
aufgestellt  und  die  Bewegung  zur  Ruderpinne  durch  Ketten  und  Stangen  übermittelt.
Auch  zum  Lichten  der  Anker,  deren  Gewicht  ohne  Kette  bis  zu  6000  bis  7000  kg
sich  steigert,  verwendet  man  allgemein  Dampfmaschinen  mit  Schneckenradgetriebe,  da  der
Handbetrieb  eine  zu  große  Mannschaft  und  zu  viel  Zeit  erfordert.
            
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