Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

930  Die  Weltwirtschaft.
Verbrauch  an  Kohle  gibt  bei  seiner  Abhängigkeit  von  dem  industriellen  Bedarfe  einen
beachtenswerten  Maßstab  für  die  industrielle  Entwickelung  der  einzelnen  Länder.  Er
betrug,  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  gerechnet,  zu  Anfang  der  90  er  Jahre  in  Großbritannien ­
  4,2,  in  Belgien  2,7,  in  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  2,5,  im
Deutschen  Reiche  1,9,  in  Frankreich  1,  in  Österreich-Ungarn  0,6,  in  Rußland  0,1  t  jährlich. ­
  In  gleicher  Weise  gibt  die  Steigerung  des  Kohlenverbrauches  eines  Landes  innerhalb ­
  einer  Reihe  von  Jahren  auch  einen  brauchbaren  Maßstab  für  das  Fortschreiten
seiner  industriellen  Entwickelung.  So  betrug  der  Verbrauch  an  Stein-  und  Braunkohle
auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  gerechnet  im  Jahre:

Im
Deutschen  Reiche

In  England

Im
Deutschen  Reiche

In  England

>875

>>28  kg

3567  kg

1892

1876  kg

3797  kg

>880

1279  „

36,1

1893

1905  „

3353  „

1881

1532  „

3875  „

1894

1954  „

3814  „

1890

1836  „

3908  „

1895

2028  „

3810  ,.

1891

ln32  ,.

3908  „

1896

2153  „

3882  „  .

Diese  Gegenüberstellung  ist  in  hohem  Maße  bezeichnend  für  die  rasch  emporstrebende
Entwickelung  der  deutschen  Industrie,  welche  den  zu  Anfang  der  90er  Jahre  eingetretenen ­
  Rückschlag  schon  1894  gänzlich  überwunden  hatte,  während  England  den  Höhepunkt, ­
  den  es  in  den  Jahren  1890/91  eingenommen  hatte,  nicht  wieder  zu  erreichen  vermochte, ­
  und  der  Abstand  zwischen  ihm  und  Deutschland  sich  stetig  verringert.
Eisen.  Ähnlich  wie  der  Verbrauch  der  Kohle  bildet  auch  derjenige  des  Eisens  einen
Gradmesser  der  industriellen  Enttvickeluug.  Dementsprechend  hat  die  Entfaltung  der  Eisenindustrie ­
  mit  jener  der  industriellen  Thätigkeit  überhaupt  gleichen  Schritt  gehalten.  An
Stelle  der  mit  Holzkohle  geheizten  Stucköfen  und  der  Hammerwerke  in  den  Gebirgsthälern,
die  den  zünftigen  Schmied  des  Mittelalters  mit  Eisen  und  Stahl  versorgten,  sind  die
modernen,  mit  mineralischen  Brennstoffen  geheizten  Hochöfen  und  die  großen  Walzwerksanlagen ­
  getreten.  Der  alte  Prozeß  der  Schweißeisenerzeugnng  im  offenen  Frischfeuer  ist
zunächst  durch  den  Puddelofen  und  weiterhin  durch  die  Flußeiscuerzeugung  mit  Hilfe  des
Bessemer-  und  Martinverfahrens  in  den  Hintergrund  gedrängt  worden,  welche  die  massenhafte ­
  Erzeugung  schmiedbaren  Eisens  und  Stahles  mit  bedeutend  verringerten  Produktionskosten ­
  gestattet,  und  endlich  hat  das  im  Jahre  1879  entdeckte  Verfahren  der  Entphosphorung ­
  des  Eisens  (Thomasverfahren)  es  ermöglicht,  auch  phosphorhaltiges  Roheisen  zur
Herstellung  von  Schmiedeeisen  zu  vertuenden.  Gleichzeitig  mit  diesen  Fortschritten  in  der
Massenerzeugung  des  Eisens  und  mit  der  Verbilligung  seiner  Produktionskosten  hat  der
Verbrauch  von  Eisen  und  Stahl  für  die  zahlreichen  Maschinen,  welche  die  moderne  Technik
in  den  verschiedenen  Gewerben  notwendig  macht,  für  den  Bau  von  Eisenbahnen  und
Dampfschiffen,  sowie  zu  Bauzwecken  überhaupt,  eine  ungeheuere  Ausdehnung  erlangt,  so
daß  die  Eisenindustrie  heute  in  viel  höherem  Maße  als  jemals  mit  der  Gesamtheit  unserer
Produktion  verknüpft  ist.  Daher  bietet  der  Gang  der  Eisenindustrie  ein  treues  Spiegelbild ­
  unserer  industriellen  Entwickelung  überhaupt.  Die  Gründungszeit  von  1871—1873,
die  darauf  folgende  Krisis  in  den  Jahren  1874—1879,  das  Wiedererwachen  des  Unternehmungsgeistes ­
  während  der  Jahre  1880—1883,  der  Stillstand  in  der  Mitte  der
80er  Jahre  und  der  neuerliche  Aufschwung  seit  1886  —  1887  spiegeln  sich  in  den
Ziffern  der  Produktionsstatistik  des  Eisens.
Die  Roheisenerzeugung  in  den  zivilisierten  Staaten  betrug  im  Jahre:

1840

ca.

2900

Mill.  kg.

1884

ca.  20166  Mill.

1891

ca.  25897  Mill.  kg.

1860

7360

„  „

1885

„  19687

„

1892

„  26665  „  „

1870

12095

,,  ,,

1886

„  20651

„

,,

1893

„  24982  „  „

1873

14943

n  tt

1887

„  22  757

„

1894

„  25808  „  „

1875

13961

tr  n

1888

„  23858

,,

n

1895

„  29639  „  „

1876

„

13  717

n  ti

1889

„  25672

,,

„

1896

31075  „  „

1880

„

18385

ii  a

1890

„  27458

„

1897

„  33318  „

1883

„

21562

ii  a
            
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