Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

zahlten  Kapitalien  bei  den  Banken  zu  bleiben,  da  die  auf  diese  weise
ausgebrachten  Summen  in  der  Mehrzahl  der  Zölle  nicht  sofort  vom
Schuldner  benötigt  werden.  Mit  Ausnahme  der  letzten  Januar-  und
Zebruarwoche  —  in  der  wie  stets  zu  Monatsschlusz  die  per  ultimo  regulierten ­
  Geschäftszahlungen  und  die  Börseengagements  zu  begleichen
sind  —  pflegen  die  beiden  ersten  Monate  leichten  Geldstand  auf  dem
offenen  Markt  zu  zeigen.  Der  März  bringt  einen  erheblichen  Bedarf
für  Dividenden-  und  Kuponzahlungen/  die  für  diesen  Zweck  bereitgehaltenen ­
  dem  Markt  in  den  vorhergehenden  Wochen  zur  Verfügung
gestellten  Gelder  werden  zum  Teil  der  kurzfristigen  Geldmarktanlage
entzogen,-  der  Beginn  des  „Zrühjahrsgeschäfts"  und  der  Campagne
in  den  Sommerproduktionen  erfordert  neuen  Betriebskredit.  Zn  der
letzten  Märzwoche  ist  ein  starker  Bedarf  wegen  der  bedeutenden  Guartalszahlungen
  —  da  ein  großer  Teil  der  städtischen  Mieten  und  vielfach
auch  Gehalte  vierteljährlich  gezahlt  werden.  Nach  vierteljahrsschlutz
pflegt  der  Bedarf  nach  Geld  wieder  zurückzugehen,  erreicht  seinen  Tiefpunkt ­
  in  der  zweiten  Hälfte  des  Mai  und  steigt  dann  langsam  empor/
die  letzte  Zuniwoche  bringt  die  chuartalsansprüche,  die  jedoch  bei  der
relativen  Ruhe  in  Industrie  und  Handel  leicht  befriedigt  werden  können.
Juli  und  August  haben  gleichfalls  (mit  Ausnahme  der  letzten  Monatstage) ­
  nicht  hohe  Inanspruchnahme,  der  Tiefpunkt  wird  gewöhnlich
in  der  dritten  Augustwoche  erreicht:  Diese  Monate  sind  die  traditionelle
Urlaubszeit  und  erhebliche  Beträge  neu  zufließenden  Einkommens
strömen  den  Banken  als  Einlagen  zu,  da  die  Eigentümer  erst  nach  ihrer
Rückkehr  über  die  Beträge  verfügen  wollen.  Zn  der  zweiten  Augusthälfte
  setzt  der  Erntebedars  ein,  im  September  treten  die  Erfordernisse
für  Betriebskredit  bei  einer  Reihe  von  Industrien  hinzu.  Der  chuartalzahlungstermin
  zu  Ende  September  stellt  dementsprechend  außerordentlich ­
  große  Ansprüche  an  den  Geldmarkt  und  an  die  Notenbank.  Nach
Septemberende  treten  Rückflüsse  ein,  der  Geldmarkt  wird  weniger  stark
beansprucht,  zu  Novembermitte  pflegt  der  Tiefpunkt  der  Ansprüche
im  vierten  (Quartal  erreicht  zu  werden,  dann  nimmt  der  Bedarf  wieder
langsam  zu  und  schnellt  in  der  letzten  vezemberwoche  rasch  in  die  höhe,
in  welcher  zu  den  sonstigen  chuartalszahlungen  der  Bilanzbedarf  hinzutritt.
§ür  den  deutschen  Geldmarkt  charakteristisch  ist  die  starke  Bedeutung
der  chuartalszahlungen,  vor  allem  zu  September-,  ferner  zu  Dezemberende/ ­
  in  der  Mitte  der  Quartale  pflegt  der  Geldmarkt  und  der  Status
der  Notenbank  relativ  am  günstigsten  zu  sein.  Der  offene  Geldmarkt
wird  nach  den  Quartalsschlüssen  rascher  flüssig  als  der  Status  der  Reichsbank. ­

            
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