Full text: Die wirtschaftliche Entwickelung der Industrie im Osten und ihre Einwirkung auf das Bevölkerungsproblem

30 Oie wirtschaftliche Entwicklung der Industrie im Gsten. 
wird nur in beschränktem Umfang möglich sein und eine 
Rentabilität nur dann versprechen, so weit sie mit den natür 
lichen Gegebenheiten des Ostens unter der Voraussetzung der 
Beibehaltung der heutigen Wirtschafspolitik übereinstimmt. Gegen 
einen Teil der Allgemeinheit innerhalb des Staates auf Rosten 
der Allgemeinheit gerichtet, ist aber eine Industrialisierung des 
Ostens nicht zu befürworten; sie würde die Grundlagen des 
Staates in Auflösung bringen. 
Wir kommen zum Schluß. Die Stellung der Frage der 
Begünstigung einer Industrialisierung über die Unterstützung 
der bodenständigen vorhandenen Industrien hinaus ist wirtschaft 
lich im höchsten Grade bedenklich. Sie ist technisch möglich 
durch künstliche Verschiebung der Verkehrsmöglichkeiten auf dem 
Wege der Wasserstraßen- und Lisenbahnpolitik, verbunden 
mit einer grundlegenden Änderung unseres Tarifwesens. Diese 
Verschiebungen sind aber wieder bedenklich und jedenfalls nicht 
leicht durchzuführen wegen des dadurch neuentstehenden Inter 
essenkonflikts zwischen der großen bestehenden westlichen und 
der beförderten östlichen Industrie, sowie wegen der Nebenwir 
kungen auf die Staatsfinanzen. Ob Resultate demgemäß auf 
diesem Wege zu erzielen sein werden, erscheint immerhin nicht 
ganz sicher. Also schon hier kann man von einem günstigen 
Resultat nicht sprechen. Der versuch einer Industrialisierung 
ist ferner bevölkerungspolitisch, was die Frage des Uampfes 
zwischen Deutschen und Polen um die Ostmark angeht, verkehrt, 
weil sie ohne Ausnahmegesetzgebung Polen und Deutsche gleichmäßig 
fördern muß, und wo sie durch eine Bevorzugung des deutschen 
Elements und Unterdrückung des polnischen durchgeführt werden 
soll, nur denkbar ist auf Rosten der Allgemeinheit gegen einen Teil 
des Ganzen. Eine derartige Industrialisierung ist also resultatlos 
für den Nationalitätenkampf und kostspielig, weil unrentabel für
	        
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