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sicherung durchaus möglich, ja auch sozialpolitisch notwendig. Ein
großes Interesse, nicht zuletzt auch der Gesamtarbeiterschaft, an der
Gesundung der Arbeitslosenversicherung, des Reichshaushalts wie
der Wirtschaft ist, neben anderen Erwägungen, einigen besonders
interessierten Arbeitnehmergruppen geopfert worden, die bei einer
stärkeren Durchführung nicht einseitig solche Vorteile aus der
Arbeitslosenversicherung ziehen könnten, wie sie es gegenwärtig tun.
Man wird die Arbeitslosenversicherung aber auch im Ver—
hältnis zur gemeindlichen Wohlfahrtspflege in ihrer
Leistung und Verwaltung einer eingehenden Prüfung unterziehen
müssen. Es ist in der Tat für die Gemeinden schwer zu tragen,
wie die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen und Fürsorgearbeiter
weiter wächst. Dies führt zu der noch kaum je kräftig angefaßten
Frage, ob die
Zuwanderung in die Großstädte
weiterhin so ungehemmt vor sich gehen kann, wie es bisher der Fall
ist. Die Fürsorgepflichtverordnung, nach der die endgültige Fürsorge—
pflicht reichsrechtlich dem Fürsorgeverband obliegt, in dessen Bezirk
der Hilfsbedürftige bei Eintritt der Hilfsbedürftigkeit den Auf—
enthalt hatte, wie auch das Arbeitslosenversicherungsgesetz schaffen
keine genügenden Hemmungen gegenüber einem Zuwanderungs⸗
drang, der von jedem Standpunkt aus, dem der Zuzugsgemeinde
und der in ihr Arbeitenden, dem des Zuwandernden wie dem des
Landes, immer bedenklicher wird. Man hat sich örtlich dadurch
zu helfen gesucht, daß man für die noch nicht längere Zeit ansässigen
Erwerbslosen geringere Unterstützungssätze vorsah oder für gemeind—
liche Arbeiten nur ansässige Arbeiter einstellen ließ, eine Vorschrift,
deren ausnahmslose Durchführung aber wohl auch Einwendungen
finden würde. Jedenfalls aber ist der gegenwärtige Zustand un—
erträglich, und es scheint mir nicht möglich, zu warten, bis etwa die
wirtschaftliche Entwicklung selbst Abhilfe bringt.
Die Frage ist um so wichtiger, als sie aufs stärkste auch die
Fragen einer wirtschaftlich und politisch ge sunden Bevöl—
kerungsverteilung berührt. Wir haben von Ost⸗
preußen und dem Osten überhaupt immer schon eine starke Ab⸗
wanderung nach den westlicheren Teilen des Reiches gehabt. Diese
Abwanderung aber ist nun bedenklich gestiegen. Man kann freilich
die Bevölkerung wirksam auf dem Lande nur zurückhalten, wenn