VII. Reichtum und sein Gebrauch.
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Endlich 1 kommen wir zur dritten Klasse. Die Gottheit, welche
sie anbeten, ist weder Reichtum, noch' Glück. Sie sind entflammt
von „edlem Ehrgeiz“. Sucht nach Ruhm beherrscht ihr ganzes
Dasein. Vor dem Schreine des Ruhmes knien gar viele Anbeter.
Eitelkeit macht sich am deutlichsten erkennbar unter denen, die
vor die Öffentlichkeit treten. Es ist allbekannt, daß beispiels
weise Musiker, Schauspieler und selbst Maler — also alle Künstler,
von einer außergewöhnlichen, persönlichen Eitelkeit besessen sind.
Vielen erscheint das wunderbar; die Ursache dafür liegt vielleicht
darin, daß Musiker, wie Schauspieler und sogar Maler in ihrer
Art Vorzügliches leisten können, ohne eine höhere Bildung und
ohne einen umfassenden Geist. Besonderheiten seines Wesens,
gewisse Eigenheiten seines Charakters mögen ihm hervorragende
Bedeutung oder auch' Ruhm sichern, so daß seine Liebe zur Kunst
oder ihre Betätigung durch die Kunst vollkommen durch eine
beschränkte oder selbstische persönliche Eitelkeit erstickt wird.
Ja, wir finden diese Schwäche mehr oder weniger bei allen öffent
lichen Berufen: beim Politiker, beim Juristen und sogar oft, mit
aller Ehrfurcht sei es ausgesprochen, auch beim Geistlichen; weni
ger, wie ich glaube, bei Ärzten, weil der Zwang ihres Berufes
sie den traurigen Wirklichkeiten des Lebens unmittelbar gegen
überstellt. Dem Arzte vor allen anderen kommt die Eitelkeit aller
Eitelkeiten zum Bewußtsein. Eine treffliche Beschreibung dieser
Klasse findet sich in Hotspurs Worten:
By heavens, methinks it were an easy leap,
To bluck bright honour from the pale-faced moon;
Or dive into the bottom of the deep,
Where fathom — line could never touch the ground,
An pluck up drowned honour by the locks,
So he, that doth redeem her thence mlght wear
Without corrival all her dignities.
(Henr IV th L. A. I. Sc. 3.)
Merken Sie wohl darauf, meine jungen Freunde, er schert
sich nicht um Nutzen; nicht um den Staat; er hat nur sich 1 selbst
im Auge, er schreitet über die Bühne wie ein aufgeblasener Pfau.
Alles in allem genommen, möchte ich beinahe behaupten,
daß die Liebe zum Reichtum nicht so viele gefangen hält, wie die
Liebe zum Ruhm, etwas, wofür wir uns beglückwünschen können,
Carnegie, Kaufmanns Herrschgewalt. 7