Lohnregulirungen.
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Bei den Baumwollwebern war die Lohnreduction im An-
fang des Jahrhunderts weit stärker. Diese armen Leute
arbeiteten 15—16, sogar 18—20 Stunden pro Tag und kamen
doch nur auf einen Wochenverdienst von 9 Schilling oder
nach Abzug aller Kosten von nur 7 Schilling. Die Löhne
sanken 1803 auf die Hälfte oder ein Drittheil ihres frühern
Stands oder noch tiefer, und stiegen 1805 nur wenig. !) Grund
dieser Depression war Ueberproduction, hauptsächlich betrie-
ben durch kapitalarme Speculanten, Abnahme des ausländi-
schen Absatzes — und Verbesserung der Technik, durch
welche in gleicher Arbeitszeit mehr geleistet wurde. Die
Weber, welche noch durchaus Hausweber war6n, standen in
ihren Löhnen stark hinter den Spinnern zurück. Sie petitio-
nirten seit 1799 ans Parlament und verlangten jetzt mit
grosser Energie ein gesetzliches Lohnminimum, ®) wobei sie
von einem Theil der Fabrikanten unterstützt wurden, ®) welche
davon eine Verminderung der Coneurrenz und Preiserhöhuhg
ihrer Vorräthe erwarteten. Das Committee lehnte aber diese
Vorschläge als gänzlich unannehmbar ab, und es hatte darin
nicht Unrecht, denn €s wurde vorgeschlagen, ein veraltetes
Mittel gegenüber einer gänzlich neuen Lage, einem leidens-
vollen Uebergangsstadium des Gewerbes gegenüber anzu-
wenden.
Bald darauf warfen sich denn auch die Weber auf die
Idee des Einigungsamtes. Ihre Noth bestand in wachsendem
Maasse fort, durch Hereinströmen von Arbeitern aus dem Acker-
bau, durch Heranziehung von Weibern und Kindern wurde der
Lohn stets weiter gedrückt*); von 12000 Webern im Man-
. 1) Naturgemäss gehen die Angaben über die Lohnsätze stark aUS-
einander s. Report on Petitions of Several Cotton Manufacturers and
journeymen Cotton Weavers 1808 u. 1809 S. 3, 4, 5, 9, 11.
2) Ueber diese Petitionen 8. auch Handloom weavers Report von
1834 S. 447: die Stelle ist. in unserm Anhang abgedruckt unter E.
58. aa. 0. (vorletzte Anmerkung), S. 5, 12, 19, 21, 32, 34.
4) Report on Petitions of Several Weavers 1811 S. 2.