50 IV. Das gemeinschaftliche Interesse von Arbeit und Kapital.
aber wichtiger als all das war: die Arbeiter wußten etwas über
die Charaktereigenschaften ihres Meisters.
Das hat sich alles geändert; die Arbeiter wurden für ihre
Meister mehr zu menschlichen Maschinen und der Arbeitgeber für
seine Arbeiter mehr und mehr eine Mythe. Obgleich dieser Zustand,
von welcher Seite man ihn auch immer betrachten mag, außer
ordentlich bedauernswert ist, sehe ich doch keine Abhilfe dafür.
Das freie Spiel wirtschaftlicher Gegensätze zwingt die Fabrikation
allgemeiner Gebrauchsartikel immer weiter in die Gewalt weniger
ungeheurer Betriebe, damit die Kosten für die Abnehmer geringer
werden. Nicht mehr länger können solche Artikel in kleinen
Massen erzeugt werden; ausgedehnte Werke und Maschinen, welche
Millionen kosten, werden erforderlich und nötig. Die Höhe der
Kosten, die man stehende Ausgaben nennt, sind deshalb ein so
bedeutender Faktor des Ausgabenetats, weil der erfolgreiche Be
trieb in vielen Fällen davon abhängt, ob diese stehenden Ausgaben,
die tatsächlich in großen und kleinen Betrieben fast dieselben
sind, auf tausend Tonnen oder fünfhundert Tonnen Tagesproduk
tion sich verteilen. Darin besteht die eigentliche Ursache für die
dauernd wachsende Zunahme der Großbetriebe; diese Zunahme
liegt keineswegs in den Wünschen des Fabrikanten, allein die
Anstrengungen der Konkurrenz zwingen ihn zur Ausdehnung
seines Betriebes, um so die stehenden Ausgaben per Tonne oder
Meter dauernd zu verringern; hängt doch davon die Sicherheit
seines Kapitals ab! So ist nun für den Arbeitgeber jede nähere
persönliche Beziehung mit seinen Arbeitern unmöglich geworden;
deshalb muß, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht jede
Fühlung miteinander verlieren sollen, jener seinem Interesse eine
andere Form geben und seine Fürsorge für das Wohlergehen seiner
Angestellten, auf deren Arbeit sein eigener Erfolg beruht, dadurch
zeigen, daß er einen Teil seines Verdienstes auf Wohlfahrts
einrichtungen für seine Angestellten verwendet. Solche Einrich
tungen sind nun diese neue Bücherei und die Genossenschafts
läden, welche den unteren Stock unseres Gebäudes füllen, zur
Versorgung unserer Arbeitergenossenschaften. Ich hoffe, unsere
Arbeitnehmer werden durch den Gebrauch, welchen sie von unseren
Wohlfahrtseinrichtungen machen, den Beweis liefern, daß sie die