97
pie Zettelbanken in den Papierländern befinden sieb dem
gegenüber in der auf den ersten Anblick sehr bequemen, in
\ abrheit aber doch höchst peinlichen Lage, erst sehr spät zu
\\isseu, ob ihre Zinsfusspolitik den reellen Verhältnissen des
(Geldmarktes entspricht oder nicht. Allerdings haben auch sie
f*iiien IMassstab darin, dass sie den Zinsfuss, wie er sich auf
ofienem ^larkte gestaltet, mit dem ihrigen vergleichen ; aber
dieser Vergleich kann sehr oft trügen, da die Geschäfte, die
auf offenem Markte abgeschlossen werden, nicht immer der
(Tüte und Sicherheit nach die nämlichen sind und überdies
‘lieser Markt, nach dem man sich richten könnte, nur selten
Hn einheitlicher ist und sich häufig jeder Controle entzieht.
Haben sie nun überhaupt keine Grenze für ihren Notenumlauf
al.s das eigene Belieben, so werden sie in dem Falle, wo sie
mit ihrem Zinsfusse allzu billig sind, zwar bemerken, dass die
(^reditsuchenden massenhaft herbeiströmen, sie werden aber
niemals wissen, ob dies in einer hochgradigen Steigerung des
I nternehmung.sgeistes oder darin seinen Grund hat, dass sie
selb.st den offenen Markt allzu erfolgreich unterbieten. Die Con-
tnirrenz des Weltmarktes wird sich viel schwerer bemerkbar
machen, indem die gestörte Valuta gleichsam eine Scdieidemauer
zwischen dem inländischen und ausländischen Verkehre zieht,
nie zwar nicht absolut unübersteiglich ist, jedoch immerhin aus-
ijeicht, um sehr bedeutende Differenzen zwischen dem inlän-
nischen und au.sländischen Zinsfusse möglich zu machen, ohne
nass man (Kredit vom Auslande suchen oder gewähren würde.
Ist dies auch der Fall, so wird sich doch die Wirkung eines
allzu billigen Zinsfusses nur in der abnormen Vermehrung der
K reditgesuche zeigen, und dies wird eine kurzsichtige Bank-
Piping mit Rücksicht auf die Steigerung ihrer Geschäfte mög-
mherweise sogar für einen Gewinn zu betrachten geneigt sein,
he einmal ausgegebenen Noten können nicht zurückströmen,
•(eil Metallschatz nicht angreifen und folglich ihr Uebermass
^mht fühlbar machen. Umgekehit wird die Bank, wenn ihr
piisfuss höher ist, als es die Marktverhältnisse bedingen, aller-
mgs ihre (Geschäfte durch die Concurrenz des offenen Marktes be
einträchtigt sehen ; dies wird jedoch erstlich, wie bereits erwähnt,
"'egen der Scheideniauer des Disagios und der demzufolge er-
«ehwerten Concurrenz des Auslandes nicht in so hohem Masse
m. Th. Hertzka, Währung und Handel.