Full text: Leben und Lehre des Buddha

Tägliches Leben. 
37 
das große religiöse Fest für ganz Ceylon und fällt in die schönste 
Zeit des Jahres. Die Bauern erbauen unter Palmen einen über 
dachten, aber an allen Seiten offenen Altan, der mit hellen Tüchern 
und Blumen geschmückt wird. Um ihn sitzen sie in ihren besten 
Kleidern, Betel kauend, die ganze helle Mondscheinnacht hindurch 
und lauschen den Erzählungen von Buddha und seiner Kirche, 
die ihnen die Mönche vortragen. Besonders werden Geschichten 
aus dem llataüabuche, den Vorgeburtslegenden Buddhas, erzählt. 
Über dem Ganzen schwebt der Geist der Ruhe und des Friedens, 
und in diesen Tagen erweist sich der Buddhismus als eine Religion 
für Herz und Gemüt. 
Das Publikum, das zu Buddha kam, war natürlich ein sehr 
gemischtes. Buddha nahm Einladungen zum Mahl bei den Ärm 
sten und Geringsten ebenso an, wie bei Reichen und Fürsten. Es 
ist schon erwähnt worden, daß sich in Vaisali die jungen Licchavis 
mit der Hetäre Ambapäli um die Ehre der Einladung stritten, 
und daß die Hetäre siegte. Diese Einladungen unterbrachen allein 
die Einförmigkeit des Lebens. Fehlten sie, so ging Buddha, wie 
der geringste Mönch, mit seiner Schale von Haus zu Haus und 
wartete mit gesenktem Blick und schweigend, bis ihm jemand die 
Schale füllte. Der Morgen wurde in geistlichen Übungen verbracht; 
nach dem Bettelgange folgte die Mittagsruhe; abends kamen die 
Laien zum Vibära, und Buddha spendete ihnen bis spät in die 
Nacht Trost und Belehrung. Was die jüngeren Quellen über die 
einzelnen Lebensjahre Buddhas berichten, sind meist Bekehrungs 
geschichten. Im fünften Jahre seiner Lehrtätigkeit soll sein Vater 
Suddhodana, 97 Jahre alt, gestorben sein. Der Tod hatte sehr 
wichtige Folgen. Buddhas Stiefmutter Naliäprajäpati war über 
den Tod ihres Gemahls untröstlich. Sie ging zu Buddha und 
bat ihn, er möge auch den Frauen gestatten, Mitglieder des Ordens 
zu werden. Buddha schlug ihr die Bitte dreimal ab. Aber Ma- 
häprajäpati gab nicht nach. Sie ließ sich zusammen mit 500 an 
deren Frauen aus der Familie der Säkyas die Haare schneiden 
und machte sich zu Fuß auf die Reise nach Vaisäli, dem Meister 
nach. Bestaubt und mit geschwollenen Füßen stand sie weinend 
an der Tür des Zimmers Buddhas, als Luanda sie sah. Auf 
ihre Bitte trug er Buddha ihr Anliegen vor. Doch Buddha schlug 
es auch diesmal ab. Luanda schwieg zunächst. Aber bei gegebener 
Gelegenheit erinnerte er Buddha an alle Wohltaten, die er von 
Mahäprajapati erfahren, und es gelang ihm auch wirklich, Buddha
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.