Object: Gesellschaftslehre

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Die Gruppe. 
tritt!). Viel verwickelter liegen, wie schon angedeutet, die Verhältnisse 
auf der Stufe der herrschaftlichen Organisation mit ihrem Gegensat 
zwischen einer Ober- und einer Unterschicht. Hier haben wir ein Klas- 
senwesen, bei dem das Interesse der einen Teilgruppe die Gesamtzustände 
wesentlich bestimmt. Die andere Teilgruppe erkennt diese Ordnung nur 
leswegen an, weil sie sich innerlich. der Autorität der führenden Teil- 
schicht beugt. Von einem einheitlichen Zusammenklingen in der Be- 
jahung der bestehenden Gesellschaftsordnung im engeren Sinn, wie dies 
bei dem Beispiel des Theaterpublikums oder bei der Lebensordnung der 
genossenschaftlichen Gruppe der Fall ist, kann hier nicht mehr die Rede 
sein angesichts der hier bestehenden Gliederung in eine aktive und eine 
passive Teilgruppe. Noch stärker macht sich der Mangel an Einheit be- 
merklich in den modernen Verhältnissen, obwohl bei diesen der herr- 
schaftliche Charakter der Zustände sich wieder gemildert hat. Vor allem 
die Politik kennt fast nur einen Majoritätswillen und Majoritätsanschau- 
ungen. Wenn die populäre demokratische Denkweise gern das Volk 
zum Träger aller politischen Handlungen und Einrichtungen macht und 
dabei halb unbewußt an eine absolute Einheit, gewissermaßen an eine 
Totalpersönlichkeit denkt, so verwechselt sie auch hier die grammatische 
Einheit der Sprache mit der sachlichen Einheit, den Kollektivwillen mit 
dem Gesamtwillen. Bei so einfachen Verhältnissen wie in den Schweizer 
Urkantonen, in denen noch die ganze Vollversammlung des Volkes über 
alle wichtigen Angelegenheiten entscheidet, entfernt sich die Vorstellung 
von einem großen Individuum noch relativ am wenigsten von der Wahr- 
heit. Wo aber Parlamente, Wahlen und verwickelte Parteiverhältnisse 
ainzukommen, kompliziert sich die Art des Zusammenwirkens immer 
mehr. Die populäre Vorstellung von der Demokratie als der Herrschaft 
des Volkes, das seinen Willen und seine Anschauung in den Wahlen und 
anderen Veranstaltungen bekundet, verdankt ihre Zauberkraft zum gro- 
Ben Teil unbewußt dem Unterschieben der in Rede stehenden Vorstellung 
eines großen Individuums. In Wirklichkeit haben die Majoritäts- 
beschlüsse oft mehr oder weniger einen Zufallscharakter wegen der Un- 
folgerichtigkeit und Unberechenbarkeit aller Kompromißaktionen an- 
yesichts der dabei mitwirkenden Spannungen und Gegensäge. Das Irra- 
tionale der Majoritätsbeschlüsse macht sich auch in geistig hochstehenden 
fachmännischen Kollegien bemerklich und läßt auch hier die Gruppe oft 
an Einheitlichkeit hinter dem Individuum zurückstehen. 
2. Diesen Verschiedenheiten zwischen Gruppen und Individuen 
stehen eine Reihe von Übereinstimmungen zwischen beiden 
1) Walter Beck, Das Individuum bei den Australiern. Leipzig 1924. S. 22 
a. a. St.
	        
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