fullscreen: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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Bereits auf S. 73 ff. ist geschildert worden, mit wie un 
gewissem Erfolge der Streit um die kommerzielle Behandlung 
der den rebellischen Unionsstaaten angehörenden Schiffe 
zwischen beiden Parteien tobte. Die westindischen Pflanzer, 
deren Plantagenwirtschaft grofsenteils von den nord 
amerikanischen Zufuhren abhing, waren Freihändler, während 
die britischen Rheder, die sich ihr Handelsmonopol nicht 
nehmen lassen wollten, selbstverständlich schutzhändlerischen 
Ansichten huldigten. Die Aussichten der letzteren waren nichts 
weniger als günstig. War es doch eine allbekannte Tatsache, 
dafs dieselbe Restriktionspolitik den Verlust von Nordamerika 
eingetragen hatte! War doch seit Ad. Smiths Kritik des 
Merkantilsystems die Überzeugung von den Vorteilen aller 
Monopolien bedenklich erschüttert. Aufserdem hatten die 
sachverständigsten Beurteiler der Lage, wie Br. Edwards und 
W. Pitt, warnend ihre Stimme gegen eine wirtschaftliche 
Trennung Westindiens von den Vereinigten Staaten erhoben. 
Auch die in dem westindischen Report von 1784 zutage 
geförderte Erkenntnis sprach nicht zugunsten der Pro- 
tektionisten, ganz zu schweigen von dem aller Welt klar vor 
Augen liegenden und nicht wegzuleugnenden Notstände der 
britischen Zuckerinseln seit Beginn der nordamerikanischen 
Unruhen, als die Schiffahrt mit dem Kontinent unterbrochen 
wurde. 
Um nun trotz dieser trüben Auspizien ihre Absichten im 
Parlament durchzusetzen, bedienten sich die Schutzhändler 
der gerade im Volk vorherrschenden Abneigung gegen alles, 
was mit der Sklaverei zusammenhing, und schürten auf jede 
Weise den Hals gegen die sklavenhaltenden, freihändlerischen 
westindischen Pflanzer. Die allgemeine Begeisterung für 
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, welche die Menge be 
rauschte, machten sie sich weidlich zunutze und gewannen 
so die öffentliche Meinung, die ihnen sonst skeptischer gegen 
übergestanden hätte, zum Bundesgenossen. Nur wenige Leute 
bewahrten sich ihr kühles Urteil und erkannten, dafs die 
Sklavenbefreiung mit den handelspolitischen Streitigkeiten 
sachlich gar nichts zu tun hatte. Der gemeine Mann aus dem 
Volke, selbst der Abgeordnete aus dem Parlament vermengte 
beides und übertrug aus psychologisch leicht erklärlichen 
Gründen seinen Widerwillen gegen den Menschenhandel auch 
auf die berechtigten frei händlerischen Bestrebungen der 
Pflanzer. Die Preisunterschiede zwischen britischem und aus 
ländischem Zucker, welche sich das englische Publikum ge 
fallen lassen mufste, und deren Ursache nur wenige Gebildete 
kannten, erhöhten nur die Erbitterung. Die Wut gegen die 
Westindier verstieg sich zu drastischen, mitunter geradezu 
komischen Ausdrücken. Sie wurden als nichtsnutzige Profit 
macher, als habgierige Unterdrücker, als die Urheber der
	        
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