Object : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

564  Fünfter  Teil.  Verkehr.  IV.  Binnen-  und  Seeschiffahrt.

Die  Stückgüter  spielen  ihrer  Menge  nach  eine  geringere  Rolle.  Von  dem  Vorhandensein ­
  der  Massengüter  im  Stromgebiete  und  von  dessen  Bedarf  an  solchen  hängt
die  Entwicklung  des  Stromverkehrs  wesentlich  ob.
In  nachfolgendem  sollen  die  bedeutendsten  Güter  des  Binnenschiffahrtsverkehrs ­
  besprochen  werden.
B  r  e  n  n  st  o  f  f  e.  Auf  Steinkohlen,  Koks  und  Briketts,  Braunkohlen  und  Torf
entfallen  etwa  30  %  aller  im  Binnenschiffahrtsoerkehr  verfrachteten  Güter;  im  Eisenbahnverkehr ­
  machen  sie  nicht  viel  weniger  als  50  %  aus;  sie  sind  daher  der  Menge
nach  die  wichtigsten  Verkehrsgüter.  Von  allen  zur  Versendung  gelangenden  Kohlen
übernimmt  die  Eisenbahn  V-,  die  Binnenschiffahrt  V».
Für  die  Steinkohlenfrachten  kommen  hauptsächlich  folgende  Wege  in  Betracht:
Die  bei  weitem  größte  Menge  geht  in  den  Häsen  des  Ruhrgebietes  (namentlich
Duisburg-Ruhrort)  auf  den  Rheinverkehr  über,  in  dem  sie  den  Weg  nach
den  Niederlanden  und  bis  nach  Straßburg  finden.  Hier  treffen  sie  zusammen  mit  den
Kohlen  aus  dem  Saargebiete,  die  auf  der  Saar,  dem  Saarkohlenkanal  und  dem  Rhein-Marne-Kanal
  für  den  Gesamtverkehr  wichtig  sind.  Den  Rhein  benutzt  auch  die
englische  Kohleneinfuhr.  Der  zweite  Kohlenabfuhrweg  für  das  rheinisch-westfälische
Gebiet  ist  der  Dortmund-Ems-Kanal.  Große  Mengen  englischer  und  Ruhrkohle
werden  von  Hamburg  nach  Berlin  und  den  märkischen  Wasserstraßen  verfrachtet.
Hierher  gelangt  die  schlesische  Kohle  über  Kosel  und  Breslau  ebenfalls  auf  dem
Wasserwege.
Der  Anteil  der  Braunkohle  am  Binnenschiffahrtsverkehr  ist  gering.  In  der
Hauptsache  handelt  es  sich  um  böhmische  Braunkohle,  die  auf  der  Elbe  verfrachtet  wird,
und  die  selbst  bis  Hamburg  und  Berlin  gelangt.  Außerdem  benutzt  oas  niederrheinische ­
  Braunkohlengebiet  in  der  Kölner  Bucht  den  Rhein  als  Verkehrsstraße
(Briketts).
B  a  u  st  o  f  f  e.  Fassen  wir  unter  dieser  Bezeichnung  Bau-,  Bruch-  und  Werksteine, ­
  gebrannte  Mauersteine  und  Ziegel,  Zement,  Sand,  Ton,  Mergel  und  Erden
aller  Art  zusammen,  so  erhalten  wir  eine  Gütermenge,  die  mehr  als  14  aller  Frachten
des  Binnenschiffahrtsverkehrs  darstellt.  Veranlassung  zu  diesem  bedeutenden  Verkehr
gibt  der  Baubedarf  der  Groß  st  ad  t;  so  empfingen  Berlin  und  seine  nähere
Umgebung  im  Jahre  1909  etwa  9  Millionen  Tonnen  von  diesen  Gütern,  Hamburg
rund  1%  Millionen  Tonnen.  Der  Baubedarf  stammt  hauptsächlich  aus  der  Umgebung ­
  der  Großstädte,  wird  aber  auch  aus  weite  Strecken  versandt;  das  gilt  besonders
von  Zement  und  natürlichen  Bausteinen;  von  letzteren  seien  hauptsächlich  genannt:
die  Kalksteine  aus  den  großartigen  Rüdersdorfer  Steinbrüchen,  Bau-  und  Mühlsteine ­
  aus  dem  Elbsandsteingebirge,  Granit  aus  der  Lausitz  und  von  Meißen,  Sandstein ­
  vom  Main  und  Mittelrhein,  Schiefer  von  Kaub  a.  Rhein,  von  der  Mosel  und
vom  Hunsrück,  Vogesensandstein,  Bausteine  aus  dem  Odenwald,  Basalt  aus  Hessen
und  Südhannover,  außerdem  schwedischer  Granit,  der  über  die  Flußmündungsstädte
weit  landeinwärts  verfrachtet  wird.
Außer  den  Großstädten  bezieht  auch  die  Industrie  größere  Mengen  der
angegebenen  Güter:  Kalksteine  für  die  Zementwerke,  Farberden  für  die  Farbenfabriken,
Zuschläge  für  die  Hochöfen,  Ton  für  die  Steinzeugindustrie  usw.  Endlich  verbraucht
auch  die  Landwirtschaft  einen  Teil  derselben  für  Aufbesserung  und  Düngung  des
Bodens.
Gruben-  und  Hüttenmaterial.  Etwa  V?  aller  Binnenschiffahrt^
güter  besteht  aus  dem  Bedarf  und  den  Erzeugnissen  der  Gruben  und  Hütten,  aus
Salz  und  Metallwaren.  Ausschlaggebend  ist  der  Bezug  von  einheimischen  und
fremden  E  i  s  e  n  e  r  z  e  n  für  die  großen  Industriegebiete  in  Rheinland  und  Westfalen,
sowie  in  Oberschlesien.  Von  einheimischen  Erzen  gelangen  die  oberhessischen  über
            
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