Metadata: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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Natur also außer sich, sich gegenüber setze. So entstehe durch 
klar dialektischen, also rationalen, zugleich aber auch tatsäch— 
lichen Auseinandertritt aus dem Allgemeingeist der Einzelgeist 
— denn indem der Allgemeingeist sich seiner bewußt werde, 
begrenze er sich auch notwendig — und die Natur. Damit 
war denn das Problem, das Schelling durch mystische Kon— 
templation hatte bewältigen wollen, denkhaft scheinbar gelöst: 
ganz im Zentrum alles Denkens schien der Verstand über 
VPathos, Enthusiasmus, Intuition gesiegt zu haben. 
Diesen ganzen Vorgang aber sah nun Hegel auch zugleich 
als vorbildlich an für alles philosophische, ja für alles Denken 
überhaupt. Denn da Denken und Sein eins seien, so besäßen 
wir ganz offenbar in der Selbstentwicklung der ewigen Vernunft 
das unabänderliche Modell und Schema unseres Denkens: 
weshalb wir nur dann richtig dächten, wenn wir diese Selbst⸗ 
entwicklung eben nach den Phasen, die sie wirklich umfaßt, 
zu denken suchten. In der Bewegung durch These, Antithese 
und Synthese, vom Satze zum Gegensatze und durch diesen 
hindurch zu einer höheren Einheit von Satz und Gegensatz, 
die dann wiederum als Satz ihren Gegensatz und ihre Syn⸗ 
these erzeugt, war also Hegel die absolut notwendige Me— 
thode unseres Denkens gegeben; alle Willkür schwieg damit, 
alle Leidenschaft war ausgebrannt; nicht mit einer Silbe mehr 
war von der Phantastik romantischer Zeiten die Rede: nicht 
eine beliebige Regel, das einfache Gesetz vielmehr erschien ge⸗— 
funden, nach dem unser Verstand als Herrscher und Gesetz— 
geber der Natur waltet. Dazu erklärte Hegel auch noch als 
unwiderlegbare tiefste Wurzel alles Seins ein geistiges Prinzip 
nachgewiesen, das sich der Personifikation nicht durchaus wider⸗ 
setze, wenn es auch eher einer mehr pantheistischen Durch— 
bildung fähig sei: und alle großen Ideale der Zeit, Gott, 
Freiheit, Unsterblichkeit, konnten damit nach ihm leicht nicht 
nur als bloße Forderungen unserer sittlichen Veranlagung, 
sondern auch als Wirklichkeiten, als ewige Zweckgedanken der 
reinen Vernunft gedacht, ja bewiesen werden. 
Daraufhin kam der dialektische Verlauf für Hegel über—
	        
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