Full text : Kapitalismus und Sozialismus

2  I.  Gegenwärtige  Wirtschaftsordnung.  Allgemeines
weniger  als  drei,  und  zahllose  Streitigkeiten,  bei  denen  immer  aneinander
  vorbeigeredet  wurde,  sind  dadurch  entstanden,  daß  diejenigen,
die  vom  Kapitalismus  sprachen,  abwechselnd  bald  den  einen  und
bald  den  anderen  dieser  drei  Bestandteile  im  kluge  hatten.
Die  drei  Komponenten  des  Kapitalismus  sind  aber  diese:
In  allen  Staaten  europäischer  Kultur  herrscht  heute  erstens  eine
bestimmte  Wirtschaftsordnung.  Gder,  anders  ausgedrückt,  es
gilt  ein  bestimmter  Rechtsgrundsatz  für  das  Verhältnis  des  Staates
zum  Wirtschaftsleben,  nämlich  das  i  n  d  i  v  i  d  u  a  I  i  st  i  s  ch  e  Rechtsprinzip. ­
  Dieses  Prinzip  bedeutet:  der  Staat  überläßt  die  wirtschaftliche
Initiative  und  damit  die  Verantwortung  für  ihre  wirtschaftliche
Existenz  den  einzelnen  Staatsbürgern.  Jedes  Mitglied  des  Gemeinwesens ­
  hat  selbst  für  sich  und  sein  vorwärtskommen  zu  sorgen.  Der
Staat  erkennt  weder  ein  Recht  auf  Arbeit  und  Einkommen  bei  seinen
Bürgern  an,  noch  legt  er  ihnen  auf  der  anderen  Seite  eine  Arbeitspflicht ­
  auf.
In  der  individualistischen  Wirtschaftsordnung  hat  gegenwärtig
zweitens  überall  eine  bestimmte  Produktionsweise  die  ausgesprochene ­
  Vorherrschaft  erlangt.  An  sich  sind'  auf  dem  Boden  des
individualistischen  Rechtsprinzips  zwei  Produktionsweisen  gleich  denkbar. ­
  Das  Risiko  der  Produktion  kann  entweder  getragen  werden
von  Ronsumentenvereinigungen,  die  für  den  Bedarf  ihrer  Mitglieder
produzieren,  oder  aber  die  Produktion  erfolgt  auf  Rechnung  und  Gefahr ­
  einzelner  Produzenten,  die  für  fremden  Bedarf  arbeiten,  um
dadurch  den  eigenen  Lebensunterhalt  zu  gewinnen,  von  diesen  beiden ­
  an  sich  gleichmöglichen  Produktionsweisen  beherrscht  heute  die
zweite,  die  erwerbswirtschaftliche,  in  allen  Ländern  das  Seid.
Die  erste,  diekonsumgenossenschaftliche  Produktionsweise  dagegen, ­
  hat  sich  in  allen  Ländern  nur  einen  bescheidenen  Platz  zu
erobern  vermocht.  Der  Erwerbstrieb,  nicht  die  Konsumgenossenschaft
oder  der  Genossenschaftssozialismus,  ist  zur  Hauptsache  der  Grganisator
  des  modernen  Wirtschaftslebens  geworden.
Die  Erwerbswirtfchaft  tritt  uns  heute,  wo  der  Großbetrieb  für
            
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