Full text : Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

Das  Wesen  des  Wirtschaftskampfes.

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Betätigung  der  wirtschaftlichen  Überlegenheit  seines  im  Auslande  tätigen
Kapitals,  seiner  Landwirtschaft,  seiner  Industrie  und  seines  Handels;  er
verbietet  kraft  seiner  Herrschaftsgewalt  den  Vermögensverkehr  mit  seinen
Feinden;  er  verscheucht  durch  seine  Überlegenheit  zur  See  die  feindliche
Kriegs-  und  Handelsmarine  und  sperrt  auch  die  neutrale  Zufuhr  ah.  Der
Wirtschaftskampf  ist  somit  ein  durch  die  Staatsgewalt  geschützter ­
  oder  gar  organisierter  Wettstreit  mit  besonderen ­
  Mitteln.  Schließlich  tritt  selbst  die  militärische  Macht,
wie  schon  im  Frieden  durch  Kriegsdrohung,  Flottendemonstration  oder
Friedensblockade  in  den  Dienst  des  Wirtschaftskampfes.  Es  gab  militärische ­
  Kriege,  die  man,  wie  z.  B.  den  Krieg  Englands  mit  den  Burenstaaten, ­
  als  einen  mit  militärischen  Machtmitteln  durchgeführten  Wirtschaftskampf ­
  bezeichnen  kann.  Der  Weltkrieg  war,  soweit  es  sich
um  den  Krieg  des  Vierbundes  mit  England  und  Rußland  handelte,  in
hohem  Maße,  soweit  es  sich  um  Frankreich  handelte,  in  minderem
Maße,  soweit  es  sich  um  Italien  handelte,  in  geringem  Maße  ein  Wirtschaf'tskampf. ­

Während  sich  der  Kampfzoll  nur  im  Verhältnis  zwischen  den  beiden
kämpfenden  Staaten  äußert,  hat  der  Wirtschaftskrieg  im  Weltkriege
nicht  nur  die  Volkswirtschaften  der  Kriegsteilnehmer,  sondern  auch  die
neutraler  Staaten,  insbesondere  der  Schweiz,  Hollands  und  der  skandinavischen ­
  Staaten  mittelbar  mit  in  den  Krieg  einbezogen  und  die  Einhaltung ­
  strenger  Neutralität  auf  wirtschaftlichem  Gebiete  geradezu  unmöglich ­
  gemacht.  Der  Wirtschaftskampf  zog  sich  immer  mehr  um  die
Welt  herum.  Durch  die  Gefährdung  der  Freiheit  des  Handelsverkehrs  zur
See  sind  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  in  den  Krieg  hineingezogen
und  durch  den  uneingeschränkten  Unterseebootkrieg  aus  wirtschaftlichen
Gründen  auch  zu  militärischen  Gegnern  der  Mittelmächte  geworden. ­

Der  Schauplatz  der  Kämpfe  des  wirtschaftlichen  Imperialismus  vor
dem  Weltkriege  war  bereits  die  ganze  Welt,  in  besonderem  Maße  aber  das
Gebiet  der  politisch  oder  wirtschaftlich  schwachen  Staatsgebilde, ­
  wie  die  Türkei,  China,  Persien,  Marokko,  und  das  Siedlungsgebiet ­
  aller  Völker  „minderer  Zivilisation“  überhaupt.
Der  Weltkrieg  hat  den  Zustand  eines  ständigen  Wirtschaftskampfes ­
  durch  vielfache  Mittel  der  wirtschaftlichen  Vergewaltigung  und
die  Notwendigkeit  eines  dauernden  Wirtschaftsfriedens  erkennen  lassen.
Der  Wirtschaftskampf  ist  dem  militärischen  Kriege  vielfach
vorangegangen,  er  hat  in  verschärften  Formen  den  militärischen  Krieg
begleitet  und  wird  nach  dem  militärischen  Frieden  fortgesetzt  werden.
Die  selbstsüchtige  Verfolgung  wirtschaftlicher  Ausdehnung  durch  Mittel
der  Gewalt  ist  daher  vom  militärischen  Kriege  unabhängig.
Der  Wirtschaftskampf  ist,  wie  noch  näher  auszuführen  sein  wird,  als
            
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