14 Die Entstehung des wirtschaftlichen Imperialismus.
hauptsächlich Baumwolle, Kupfer, Weizen und Schweineschmalz (H a r m s,
Anteil 163). Es führte aus den englischen Kolonien im Durchschnitt der
beiden letzten Jahre für eine Milliarde Waren ein, aber nur für ein Drittel
einer Milliarde Waren aus (Eulenburg, Möglichkeiten 59).
Ebenso bedurfte Deutschland des Weltmarktes für seine Massen
industrie, in erster Linie für seine Elektrizitätsindustrie; von den im
Jahre 1912 hergestellten 97*/4 Millionen Glühlampen gingen 61 Millionen
in das Ausland; in der Glühlampenfabrikation haben Deutschland und die
Vereinigten Staaten von Amerika die Weltherrschaft unter sich geteilt.
Rußland nahm Industrieerzeugnisse, vornehmlich Maschinen und Elektri
zitätsprodukte, England Industrieerzeugnisse, insbesondere Teerfarben,
Kinderspielzeug und elektrotechnische Erzeugnisse ab. Dazu konnte der
englische Markt infolge des Frcihandelssystems sich überhaupt keinem
bestimmten Einfuhrartikel verweigern. Österreich-Ungarn nahm haupt
sächlich Steinkohle und Maschinen, Frankreich Maschinen und Felle, Koks
und Steinkohlen, infolge der Meistbegünstigung aber auch die übrigen
Industrieartikel ab. Unter den übrigen europäischen Staaten waren
Belgien und die Niederlande gute Kunden Deutschlands.
Dazu kam, daß Holland und Belgien infolge ihrer geographischen
Lage die Ein- und Ausfuhrtore des deutschen Handels besaßen, was bei
der beträchtlichen Einfuhr zur See schwer ins Gewicht fiel. Die
Hälfte der Einfuhr kam aus nichteuropäischen Ländern. Unter
den europäischen Lieferanten Deutschlands stand Rußland mit 1424,6,
England mit 875,9, Österreich-Ungarn mit 827,5, Frankreich mit 583,2 Mil
lionen Mark oben an; Belgien blieb mit 344,4, Holland mit 333, Italien
mit 317,6 Millionen Mark zurück. Unter den außereuropäischen
Lieferanten nahmen die Vereinigten Staaten von Amerika mit 1711,1 Mil
lionen Mark den ersten Platz ein; in weitem Abstande folgten Britisch-
Westafrika mit 134,5, Ägypten mit 118,4, Britisch-Indien mit 541,8,
Argentinien mit 494,6, Brasilien mit 247,9 und der australische Bund mit
296,8 Millionen Mark (Harms, Anteil 115, 116).
Da der Bezug von Waren aus dem nichteuropäischen Ausland von
20,5 % des Jahres 1889 auf 45,2 % der gesamten Einfuhr des Jahres 1913
stieg,- kann gesagt werden, daß der europäische Absatz Deutsch
lands je länger desto mehr auf der außereuropäischen Einfuhr
von Lebensmitteln und Rohstoffen beruhte (Harms, Anteil 114).
Deutschland empfing im ganzen jährlich für 3 Milliarden Mark
Nahrungsmittel und für 5V 2 Milliarden Mark Rohstoffe der Industrie.
Das Ergebnis des Weltverkehrs war somit ein „künstliches
System von Abhängigkeiten“ der Teilnehmer an der Welt
wirtschaft. „Die ganze äußere Zivilisation, aufgebaut auf fremden Grund,
den wir nicht besitzen, dessen Erzeugnisse wir doch brauchen“ (E u Le n-
burg, Möglichkeiten 18). '