P. Thompson:
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zölle als unschuldig an der Theuerung und erwartete nichts
von Ausdehnung des Freihandels. Dagegen polemisirt Thompson
und erwartet von Abschaffung der Kornzölle gerade den
grössten Gewinn für die Arbeiter, Aber er tritt dann mit
Cobbett und gegen Ricardo voll und ehrlich für das allge-
meine Wahlrecht ein:
„Unsere Vorfahren nannten einen freien Mann den, ‘der
Wahlrecht hatte — nur wenn Jedermann gleichmässig reprä-
sentirt ist, hat Besitz aller Art seinen gerechten
Einfluss. Und die Besitzenden unter den industriellen
und handeltreibenden Ständen werden vielleicht einst entdecken,
dass der Widerstand gegen das allgemeine Wahlrecht nichts
ist als ein Kunstgriff, um sie ihres gerechten Einflusses und
ihres Besitzes zu berauben.* —
Kurz Thompson’s Katechismus zeigt in charakteristischer
Weise, wie die Ricardo’sche individualistische Nationalökonomie,
consequent ausgebildet, Waffen für den Arbeiterradicalismus
liefern muss und Thompson ist ehrlich genug, wenigstens
einen Theil dieser Consequenzen zu ziehen, ‘indem er noch
völlig an Identität der Interessen von Arbeit und Capital
contra Grundbesitz glaubt. In der Westminsterreview von
1880 tritt er für Wiederherstellung der Baarzahlung ein und
preist Freihandel als das gemeinsame Interesse von Arbeit
und Camnital:
„Dass der Reichthum und das Glück der Nation aus
reichlichem Capitalgewinn und Lohn der Individuen entspringen,
ist an sich eine grosse Wahrheit. Aber dann müssenediese
hohen Gewinne und Löhne aus einem Wachsthum des ge-
sammten Handels (trade) entspringen, das nur das Resultat
von Freiheit sein kann. Der allgemeine Satz von Lohn und
Gewinn hängt von der Schnelligkeit ab, mit der der gesammte
Handel wächst oder abnimmt — — dies beweist die be-
schränkte Nützlichkeit der verschiedenen Palliativmittel, mit
denen sich die Menschen amüsiren, statt ihre Kräfte zur Ent-
fernung des grossen UTebels der Handelssperre anzuwenden.
Dahin gehören z. B. die vorgeschlagenen Hausmittel der Spar-