Contents : Der Weltverkehr und seine Mittel

588.  jUtiigYptische  KchiWe.

Schiffbau.

Geschichtliche  und  technische  Entwickelung.
sie  Schiffahrt  ist  unstreitig  eines  der  ältesten  Gewerbe;  denn  soweit  man  den
Überlieferungen  bis  in  die  Vorzeit  der  Fabel  und  der  Mythologie  nachgehen
kann,  findet  der  Schiffahrtsbetrieb  Erwähnung.  Es  ist  wohl  anzunehmen,  daß
der  ausgehöhlte  Baumstamm  oder  das  aus  mehreren  Stämmen  zusammengefügte ­
  Floß  die  ersten  schwimmenden  Fahrzeuge  gewesen  sind,  und  daß  die
Schiffsform  sich  allmählich  infolge  der  Vervollkommnung  der  Mittel  zur  Fortbewegung ­
  und  zum  Lenken  des  Schiffes  herausgebildet  hat.  Wie  nun  nach  den  geschichtlichen ­
  Überlieferungen  die  menschliche  Kultur  von  den  Völkern  des  Morgenlandes  ausgegangen ­
  ist,  so  sind  auch  die  ersten  Anfänge  der  Schiffahrt  und  des  Schiffbaues  bei
diesen  Völkern  zu  suchen,  da  gerade  der  Schiffahrtsbetrieb  zur  Ausdehnung  des  Handels
und  zur  Hebung  des  Wohlstandes  der  Völker  in  bedeutendem  Maße  beitrug.  Wenngleich
nach  den  vorhandenen  Forschungen  noch  nicht  klargelegt  ist,  ob  das  Ruder-  und  Segelschiff ­
  als  eine  Erfindung  der  Ägypter  oder  der  Babylonier  zu  betrachten  ist,  so  ist  doch
durch  neuere  Ausgrabungen  und  archäologische  Expeditionen  nach  Ägypten  festgestellt
worden,  daß  die  Ägypter  schon  in  den  Jahren  2500—1300  v.  Chr.  langgestreckte,  flachgehende ­
  Schiffe  besaßen,  welche  sowohl  durch  Ruder  (Riemen),  als  auch  durch  Segel
fortbewegt  wurden  und  zum  Stenern  zwei  schaufelförmige  Ruder  besaßen.  Dr.  Johannes
Dümichen  gibt  in  seinem  Werke:  „Die  Flotte  einer  ägyptischen  Königin  ans  dem  17.  Jahrhundert ­
  vor  unserer  Zeitrechnung"  nach  den  im  Terrassentempel  von  Dkr-el-bah'esi  aufgefundenen ­
  Skulpturen  eine  größere  Anzahl  von  Seeschiffsbildern,  von  denen  Abb.  588
fünf  Schiffe  der  ägyptischen  Flotte  zeigt.  Die  Zeichnung  gibt  den  Schiffsrumpf  mit  den
Stevenformen,  den  Dollbord  mit  den  15  Taukränzen  zur  Führung  für  die  Riemen  der
Ruderer,  die  Anordnung  der  Steuerruder,  sowie  die  gesamte  Takelage  nebst  Segel  so
eingehend  wieder,  daß  man  aus  derselben  ein  klares  Bild  über  das  Schiff  der  Ägypter
jener  Zeit  erhält.  Auffallend  ist  sogar  die  Anwendung  eines  Hängewerkes  zur  Erhöhung
des  Längsverbandes  des  Schiffes,  wie  es  heutzutage  bei  flachgehenden  Flußschiffen  gebräuchlich ­
  ist.  Auch  die  Befestigung  des  Mastes  nach  vorn  durch  Stage,  nach  hinten
durch  das  Segelfall  —  die  seitliche  Verstrebung,  die  sogenannten  Wanten,  fehlen,  da
das  breite  Raasegel  nur  vor  dem  Winde  gefahren  wurde  —  die  Stützung  und  Festlegung ­
  der  Raa  durch  Topenanten  und  Brassen  entspricht  im  allgemeinen  den  jetzigen
Gebräuchen.  Das  für  die  größeren  Schiffe  verwendete  Material  bestand  aus  Mimosenholz. ­
  Die  Außenhaut  war  klinkerartig  gebaut  und  erhielt  eine  Anzahl  Pforten  zur
Beleuchtung  des  Schiffsinneren.  Das  feste  Deck  erhielt  vorn  und  hinten  einen  mit
einem  Lattenzaun  umgebenen  Aufbau  für  den  Führer  des  Schiffes  und  die  Leute  auf
dem  Ausguck.  Es  ist  anzunehmen,  daß  diese  Schiffe,  welche  von  den  Ägyptern  in  der
            
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