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dürfen. Es liegt zwar, besonders für den Laien, sehr nahe, zu
sagen: Die Steuern müssen in erster Linie und hauptsächlich von den
leistungsfähigsten Leuten, also vom Kapital, aufgebracht werden. Dieser
Gedanke enthält zweifellos einen richtigen Kern, darf aber auch nicht
überspannt werden durch eine allzu starke steuerliche Erfassung
des Kapitals. Die Notwendigkeit und wirtschaftliche Zweckmäßig
keit des Kapitals anzuzweifeln, bedeutet einen schweren Fehler. Es
ist bekannt, daß die Sozialdemokratie seit über 50 Jahren bestrebt
ist, den Haß gegen den Kapitalismus großzuziehen, und daß sie
hiermit nur allzustarken Erfolg hatte. Bedauerlich hierbei war, daß
nicht nur der Haß gegen den Kapitalismus großgezogen wurde,
sondern leider auch der Glaube, daß Geld alles bedeutet. Es steht
ja außer Zweifel, daß dieser Satz für den einzelnen richtig ist; für
die Gesamtheit ist er es aber nicht. Wenn z. B. jemand in den
Besitz einer Million gelangte, so könnte er sich gewiß bedeutend mehr
leisten als die einzelnen der großen Masse. Hätte dagegen jeder
einzelne eines Tages eine Million erhalten, was technisch durchaus
durch das Drucken einer entsprechendeu Menge Papiergeld durch
führbar gewesen wäre, so wäre die Gesamtlage die gleiche geblieben,
denn alle Dinge hätten mit Naturnotwendigkeit eine kolossale Preis
steigerung erfahren, und niemand hätte sich auch nur um einen Deut
besser gestanden als bisher. Es wäre zu wünschen, daß den Massen
endlich das Verständnis beigebracht würde und beizubringen wäre,
daß nicht Geld, sondern nur ihre eigene Arbeit ihre Lebenslage ver
bessern kann. Hier möchte ich einschalten, daß meine Auseinander
setzungen sich nicht auf die jetzige, anormale, sondern auf die nor
male Zeit vor dem Kriege beziehen. Abgesehen von seinen gewiß
vorhandenen schlechten Seiten, die aber eingeschränkt werden können,
ist der Kapitalismus in seinen Gesamtleistungen sicherlich der Freund
der Masse. Sehen wir einmal ganz von Geld und Kapitalismus
ab und betrachten die Sache nur vom Standpunkt des aus der
Sozialdemokratie folgerichtig entstandenen und heute in den Groß
städten so weit verbreiteten Kommunismus mit seiner Hauptforderung:
gleichmäßige Verteilung aller Produkte auf alle Mitglieder des Volkes.
Um zu leicht verständlichen Zahlen zu kommen, wollen wir
uns wieder einen Wirtschaftskörper von nur 100 Personen vorstellen,
die hundert Tonnen lebenswichtige Massenartikel (Getreide, Fleisch,
Fett usw.) herstellen. Bei kommunistischer Verteilung hätte jeder