schnell an Kraft und wirkte auf allen Gebieten, in
denen es so etwas wie eine öffentliche Meinung gab.
Vieles andere, wie die Erschöpfung, die auf die na-
poleonischen Kriege folgte und eine deutliche Gegen
bewegung gegen die kapitalistische Entwicklung der
vorhergehenden Jahrzehnte, machte sie für lange
Zeit unüberwindlich. Und in der Hochflut dieser
Strömung erschien dann manch alte Anschauung,
die das 18. Jahrhundert argumentativ längst über
wunden hatte, wie eine Neuheit, wie eine große Ent
deckung und lehrt so dem Historiker der Ideen, daß
nichts so lange leben, nichts so lange ohne Nahrung
schlummern kann als unsere Vorurteile.
Und in der Wissenschaft — wie stand es da?
Früher oder später — wie schon erwähnt, nicht
gleichzeitig — sehen wir auf allen Gebieten der
Sozialwissenschaft des 18. Jahrhunderts ein eigen
tümliches Erlahmen. Wo früher frisches Leben
herrschte und originelle Gedanken sich tummelten,
da geht es nun nicht mehr vorwärts. Das herrliche
Erbe der Üniversal - Sozialwissenschaft des Natur-
reehtS ist in hölzerneXHände geraten, in denen es
siecht und verfault. Gegner' haben nun ein leichtes
Spiel nicht nur mit den unfähigen Epigonen, sondern
auch mit den toten Löwen selbst. Langsam sinkt das
Naturrecht erst überhaupt zu einer juristischen
Spezialdisziplin und schließlich zu einer fast ver
achteten Spezialdisziplin herab, die alle Fühlung mit
den lebendsten Elementen ihrer Zeit verliert und
endlich sogar aus dem Lehrgang verwiesen wird, um
zu einer nur mehr historisch interessanten Fossilie
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