Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 4538 
Boden lag. Den Gewinn hieraus zogen naturgemäß weniger 
die kleinen Territorialstaaten des unmittelbaren Stromgebiets, 
als vielmehr Burgund: Burgund sah sich jetzt im Norden 
keinen auch nur einigermaßen ebenbürtigen Gegner mehr gegen⸗ 
über. Und alsbald begann Herzog Philipp, sogar unter Ver—⸗ 
nachlässigung des befreundeten Cleve, diese Lage zu nützen. 
Schon die oberdeutschen Händel in der Schweiz, im Elsaß 
und in Lothringen hatten ihn König Friedrich näher gebracht; 
nach ihrem Abschluß hatte er versucht, vom Könige die Beleh— 
nung mit seinen innerhalb der Reichsgrenzen gelegenen Ge— 
bieten zu erlangen, d. h. eine Anerkennung seiner revolutio— 
nären Staatenbildung zu gewinnen, zu der er Kaiser Sigmund 
niemals vermocht hatte. Jetzt nun, im Frühjahr und Sommer 
1447, spannte er seinen Ehrgeiz höher. Er mutete König 
Friedrich zu, ihn mit seinen Gebieten als einem geschlossenen 
Königreich innerhalb der Reichsgrenzen zu belehnen, und er er— 
klärte zudem, diesen Gebieten sollten als lehnsrührig die Herzog— 
tümer Geldern, Cleve, Jülich, Mark und Mörs, die Grafschaft 
Vaudemont, die Herzogtümer Bar und Lothringen angeschlossen 
werden: kurz alles, war einst zum Reiche Lothars J., des 
Enkels Karls des Großen, gehört habe. 
Es war eine ungeheuerliche Forderung, deren Gewährung 
— 
land und Frankreich rein auf deutsche Kosten geschaffen haben 
würde: selbst ein Friedrich III. widerstrebte ihr. Es kam daher 
zu keinem völlig genügenden Abschluß der Verhandlungen; doch 
ward Philipp zum direkten und indirekten Lehnseid für seine 
Besitzungen im Reiche zugelassen und besaß somit seitdem völlig 
legitim die Länder seiner unmittelbaren Herrschaft. 
Das war das um die Mitte des 185. Jahrhunderts fest— 
stehende Ergebnis. Es hat für unsere nationale Entwicklung 
Thatsachen von einschneidendster Bedeutung geschaffen. Wenn 
im Jahre 1457 die Dauphiné dem Reiche durch Einverleibung 
in Frankreich endgültig verloren ging, wo bis dahin die Kaiser, 
vor allem auch Sigmund, die Oberhoheit des Imperiums 
noch immer betont hatten, so ist das für Friedrich III. nicht
	        
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