Full text : Aktive Währungspolitik

Der  Goldbestand  der  Emissionsbanken  kein  Maß  der  Notenausgabe.

3  Gesell-Frankfurth

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als  Krise  mit  ihrem  Gefolge,  der  Arbeitslosigkeit,  dem  Hunger,  der  Revolte.
Die  Notenbank  schützt  den  Goldbestand,  sie  sichert  die  Einlösbarkeit  der  Noten,-aber
  mit  welchen  Opfern  muß  die  Volkswirtschaft  diese  Leistung  bezahlen?
Wie  viele  Milliarden  gehen  dem  Volke  durch  die  Geschäftsstockung  verloren,
wie  viele  Kaufleute  werden  entehrt,  wie  viele  Arbeiter  werden  zu  Bettlern,
wie  viele  Millionen  Ausfälle  erleiden  die  Staatseinnahinen  durch  die  Baisse,
die  die  Notenbank  erzwingen  muß  —um  ihren  Goldschatz  zu  schützen?  Diesen
winzigen,  elenden  Goldschatz!  Allein  die  Börsenvcrlustc,  die  die  Baisse  erzeugt, ­
  betragen  ein  hundertfaches  des  Goldschatzes  der  Notenbank.
Die  Krise,  die  die  Arbeitsteilung  tötet,  ist  überhaupt  das  Schlimmste,
was  der  Volkswirtschaft  geschehen  kann,  und  welche  Folgen  auch  der  Bankerott
der  Notenbank  nach  sich  ziehen  mag  —  schlimmer  als  der  Bankerott
der  Arbeitsteilung  können  sie  nicht  sein  —da  ja  die  Notenbank
nur  der  Arbeitsteilung  dienen  soll.'
Der  Bankerott  der  Notenbank,  die  Uneinlösbarkeitserklärung,  hat  als
Folge  die  Einführung  eines  Goldagios.  Dieses  Agio  wirkt  hemmend  auf
die  Wareneknfuhr  und  fördernd  auf  die  Warenausfuhr  (man  denke  an  die
Konkurrenz  des  indischen  Weizens,  als  das  Gold  und  Silber  auseinandcrgerissen
  wurden)  —  beides  Dinge,  die  km  allgemeinen  in  Deutschland  nicht  ungern
gesehen  werden,-  hat  man  doch  die  Zölle  eingeführt,  um  dasselbeZicl  zu  erreichen.
Ein  Agio  hätte  z.  B.  die  Agrarier  wirksamer  geschützt  als  die  aufreizenden  Kornzölle. ­
  Die  Einführung  eines  Agios  hätte  die  Krise  unnötig  gemacht,  man  hätte
unentwegt  weiter  gearbeitet,  und  wo  man  arbeitet,  entwickelt  sich  Wohlstand.
Die  Volkswirtschaft  würde  mit  dem  Agio  nicht  zu  leiden  brauchen,
besonders  wenn  die  Notenbank  es  versteht,  die  Agiotage  durch  zielbewußte
Maßnahmen  zu  verhindern.  Denn  es  ist  erwiesen,  daß  Agio  und  Agiotage
nicht  notwendigerweise  verbunden  zu  sein  brauchen  (s.  Argentinien).
Aber  wenn  auch  die  Volkswirtschaft  das  Agio  nicht  zu  fürchten  braucht,
Ja  sogar  Vorteile  daraus  ziehen  kann,  so  ist  Agio  prkvatwirtschastlich  doch
von  schweren  Folgen  begleitet,-  denn  alle,  die  beim  Aufkommen  des  Agio
Verpflichtungen  in  Geld  haben  (Einfuhrhändler)  und  nur  Forderungen  in
dem  dem  Agio  unterworfenen  Geld  haben,  müssen  den  Unterschied  aus  ihrer
Tasche  bezahlen,  und  mancher  mag  dabei  ins  Gras  beißen.  Immerhin  aber
sind  diese  einmaligen,  privatwirtschastlichen  Verluste  nicht  zu  vergleichen  mit
denen,  die  die  Baisse  der  Volkswirtschaft  und  der  Privatwirtschaft,  dem  Staate
und  den  Bürgern  bereitet.  Ist  das  Agio  eine  Krankheit,  so  ist  die  Baisse
der  Tod  der  Volkswirtschaft,  und  wenn  die  Emissionsbank  zur  Baisse  greift,
um  ein  Agio  abzuwehren,  so  kann  man  sagen,  daß  sie  den  Kranken  erwürgt,
um  ihn  von  feiner  Krankheit  zu  befreien.
Die  Waffe  mag  als  Garantie  für  den  Frieden  gut  sein  und  der
Goldschatz  als  Garantie  der  Währung?)  Aber  besser  als  die  Waffe  gewährleistet
uns  den  Frieden  die  einfache  Beseitigung  des  Zankapfels,-  besser  als  der
Goldschatz  schützt  die  Währung  die  Berücksichtigung  der  Warenpreise  als
Maßstab  für  die  Notenausgabe.
i)  Wie  sich  Waffe  und  Gold  bewährten,  habe»  wir  inzwischen  erfahren.
            
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