Full text : Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 sowie die Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahmen in den Jahren 1911 bis 1917 im hamburgischen Staate

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W  eltkolonisation

Reich  damals  genommen  hatte,  ein  Abnehmen  der  Auswanderung
geltend.  (1880  bis  1890  13  Millionen,  1890  bis  1900  05  Millionen, ­
  1900  bis  1910  0 - 28  Millionen).
Das  Gegenstück  bildet  Spanien,  das  trotz  geringer  Bevölkerungsziffer ­
  ebensoviel  Auswanderer  aufweist  als  Deutschland.
Im  Durchschnitte  der  letzten  zehn  Jahre  vor  dem  Kriege
sind  etwa  12  Millionen  Menschen  jährlich  aus  Europa  ausgewandert, ­
  wogegen  der  jährliche  Menschenzuwaohs  etwa  4  Millionen ­
  (0 - 88°/ 0  der  Volkszahl)  betrug.
Die  bisherige  Auswanderung  war  also  viel  zu  gering,  um
der  wachsenden  Überfüllung  Europas  abzuhelfen.
Da  aber  weder  die  innere  Kolonisation  der  Einzelstaaten
noch  jene  ganz  Europas  rasch  genug  vorschreiten  wird,  um  mit
dem  Wachstum  der  Bevölkerung  gleichen  Schritt  zu  halten,
könnte  nur  eine  großzügige  Auswanderung  in  außereuropäische
Gebiete  Abhilfe  schaffen.
Freilich  könnte  auch  hier  nur  internationale  Gemeinschaftsarbeit ­
  zum  Erfolg  führen;  denn  schon  das  Problem  selbst  müßte
nicht  vom  Einzelstaat,  sondern  vom  gesamteuropäischen  Standpunkt ­
  aus  aufgezäumt  werden,  die  Abhilfen  aber,  die  in  der  Einwanderungsbewilligung ­
  in  außereuropäische  Gebiete  und  den  entsprechenden ­
  Vorsorgen  bestünden,  würden  die  Zusammenarbeit
aller  Völker  der  Erde  bedingen.
Die  Schwierigkeit  in  all  diesen  Fragen  liegt  immer  darin,
daß  es  derzeit  noch  kein  Forum  gibt,  das  geeignet  wäre,  diesen
Ausgleich  zwischen  den  Bedürfnissen  der  einzelnen  Staaten  herbeizuführen. ­

Das  darf  aber  nicht  hindern,  wenigstens  in  der  Theorie  die
hier  niedergelegten  Wahrheiten  immer  wieder  zu  betonen.
            
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