Unteritalien, Sizilien.
35
Stadtstaaten zu schaffen, die dem Mutterlande überlegen waren, da
fruchtbare Ebenen und an Schiffbauholz reiche Wälder vorhanden
waren. Hier ließ sich die wirtschaftliche Selbständigkeit der Staaten,
die nicht auf Import angewiesen war, die Autarkie, im Notfall
eher durchführen als im Mutterland, da die Griechen in Sizilien
und in Unteritalien, im sogenannten Großgriechenland, den Im
port fremden Getreides nicht nötig hatten, sondern selbst solches
exportierten, daneben aber auch eine hervorragende Industrie be
saßen. Schon früh war die mykenische Kultur hierher gedrungen,
ob durch Vermittlung griechischer oder phönikischer Seefahrer, läßt
sich nicht entscheiden. In Unteritalien entstand eine Reihe vonein
ander unabhängiger Stadtstaaten. Unter den Städten war Sybaris
eine der bedeutendsten, sie wurde von einer Konkurrentin gegen
Ende des 6. Jahrhunderts von Grund aus vernichtet, nachdem sie
kurz vorher selbst einer herrlichen Stadt das gleiche Schicksal bereitet
hatte. Mit den Städten des Ostens, so mit Milet, stand sie in Handels
beziehungen. Von den unteritalischen Städten gelangte Tarent be
sonders im 4. Jahrhundert zu hervorragender Bedeutung, als die
anderen Städte durch die Italiker arg geschädigt wurden (S. 95).
Sizilien wurde zunächst von der euböischen Stadt Chalkis be
siedelt. Von dort aus kamen Chalkidier nach Italien hinüber und
gründeten die nördlichste griechische Stadt der Halbinsel, Kyme,
von der aus das Hinterland leicht zugänglich war (S. 52). Die
Ausbreitung der Macht Euböas auf Sizilien fand bald durch Ko
rinth ein Ende. Es bestand eine alte Konkurrenz zwischen Korinth
und den Städten Euböas, Chalkis und Eretria, den drei ältesten
Kolonialmächten des europäischen Griechenlands. Schwer geschädigt
wurden Eretria und Chalkis, als zwischen ihnen im 7. Jahrhundert
ein heftiger Kampf entbrannte, an dem die großen Handelsstädte
der Griechen teilnahmen; so half Korinth den Chalkidiern, während
z. B. Milet und Ägina zu Eretria hielten. Man sieht, wie die
internationalen Beziehungen sich infolge des regen Handelsverkehrs
entwickelt hatten. Seit jener Zeit, besonders aber seit dem Beginn
des 6. Jahrhunderts ging die Bedeutung Euböas immer mehr
zurück. Im Norden des Ägäischen Meeres hatten Chalkis und
Eretria nicht nur an der thrazischen Küste kolonisiert, sondern auch
die Chalkidike zum Teil besetzt. Bald darauf fanden sich dort
auch die Korinther ein und gründeten Potidäa. Korzyra, das bald
eine der größten Seemächte wurde, nahm Korinth den Eretriern
weg, als es den Versuch machte, im Adriatischen Meer vorzurücken,
!S*