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Abstoßung, die in Aktion treten, wenn beide Rassen beisammen leben
und sich die Bedingungen der sozialen Gleichheit zu verwirklichen be
ginnen. Die Abneigung ist mehr oder weniger latent, wenn der Ein
geborene seine Knechtschaft geduldig erträgt. Sie erwacht aber, wenn
er bürgerliche und wirtschaftliche Vorteile erwirbt, die, wären keine
Schranken vorhanden, ihm einen Anspruch auf soziale Anerkennung
gäben oder wenn er politische Forderungen erhebt. Bis zu einem gewissen
Grade mag das Reizmittel, das die Antipathie hervorruft, ein ökono
misches sein, aber das Gefühl selbst ist viel tiefer gebettet als jener
Gegensatz, und seine Erklärung liegt wahrscheinlich, zusammen mit dem
eigentlichen Sinn der Vererbung, in den bis heute noch unerforschten
Gebieten des Menschengeistes verborgen. Hauptsächlich wegen dieser
Antipathie ist es eitel und trügerisch zu hoffen, daß überall da, wo die
Eingeborenen numerisch überlegen sind, aber wo die Weißen ihre ei
gene Regierung errichtet haben und nicht länger die Gäste der einge
borenen Rassen sind, die regierende Mehrheit aus Eingeborenen ge
bildet werden wird. Die Natur arbeitet nicht in dieser Weise. Hier
über betrübt zu sein, heißt über die Schöpfung wehklagen — ein äußerst
nutzloser Zeitvertreib.
Ob sich der Weiße mit der Installierung seiner eigenen Regierung in
solchen Ländern wirklich so schnell hat beeilen müssen, ist fraglich.
Vielleicht hätte er viel besser getan, wenn er ein Gast geblieben wäre,
wenn er die Souveränität der Eingeborenen akzeptiert und sie gelehrt
hätte, sich den neuen Bedingungen anzupassen, indem er den einge
borenen Herrschern die nötige moralische und politische Protektion
gegeben hätte. Aber er wählte den leichteren und roheren Weg. Er
übte seine Gewalt aus. Er tötete den Eingeborenen und fegte ihn bei
seite. Als Zerstörer trat der Weiße auf, doch nicht als Vollender. Sein
eigenes Regiment hat er errichtet. Das ist die vollendete Tatsache,
aus der das Problem besteht. Ich bedaure es. Auf dem Wappen des
Weißen ist es ein unanständiger Fleck. Auch kann Geschehenes nicht
ungeschehen gemacht werden, ob es nun den Eingeborenen des Kongo
oder den Neger in den Vereinigten Staaten betrifft. Die Frage ist
deshalb: Was soll die Lage des Eingeborenen unter einer solchen Herr
schaft sein? Sehr viel wird von des Eingeborenen eigenen Entwick
lungsvorstellungen abhängen. Der Birmane kann diese, der Massai jene
Antwort rechtfertigen. Doch folgende Grundsätze können allgemein